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Modellprojekt inviSa@Home soll Pflegebedürftigen selbstständiges Wohnen bieten

Modellprojekt „inviSa@Home“ : Damit es in den eigenen vier Wänden am schönsten bleibt

Das Modellprojekt inviSa@Home will Pflegebedürftigen und Senioren ein Leben in der eigenen Wohnung ermöglichen.

Über einen langen Zeitraum unseres Lebens können wir wählen, was wir tun und was wir lassen. Sind wir in einem fortgeschrittenem Alter oder müssen wir gepflegt werden, benötigen wir oft die Hilfe unserer Mitmenschen. Doch auch dann möchten viele von uns wie gewohnt leben – in den eigenen vier Wänden. Ein Modellprojekt im Saarland macht es möglich: inviSa@Home (intelligent vernetzt im Saarland).

Das in Saarbrücken, Saarlouis und im Lebacher Stadtteil Niedersaubach gestartete Projekt setzt auf die Assistenzsysteme des Berliner Unternehmens „BeHome“. „Wir bieten Bewohnern eine Komplettlösung an“, sagt Ida Kranz, die bei der Better@Home Service GmbH, zu der BeHome gehört, Vertrieb und Marketing leitet. In der jeweiligen Wohnung werden Sensoren angebracht. „Unter anderem Wassersensoren, die die Bewohner vor Wasserüberlauf schützen. Oder Bewegungsmelder, die auch Inaktivität messen können, falls jemand gestürzt ist.“ Zudem werden stationäre Hilferufknöpfe in der Wohnung angebracht und Funksteckdosen bereitgestellt, die sich mit Bewegungsmeldern zusammenschalten lassen. Digitale Türkontakte erinnern an offenstehende Türen. Und für Menschen mit Demenz gibt es eine Medikamentenbox, die die einzunehmende Arznei ins Blickfeld rückt.

Ein Tablet mit Internetzugang dient als Kommunikationsplattform. „Über das Tablet können Nachrichten geschrieben und Videoanrufe gemacht werden“, sagt Kranz. Zudem lassen sich Angebote beteiligter Krankenkassen abrufen, und fern-medizinische Beratung, so genannte Telemedizin, soll per Tablet möglich werden. „Wir möchten Menschen darin unterstützen, möglichst lange Zeit selbstständig wohnen zu können“, sagt Jan Rößler, Pressesprecher der Krankenkasse AOK im Saarland und in Rheinland-Pfalz. „Wir sehen das Projekt als Zukunftsprojekt mit großem Potenzial.“ Bei allem Digitalen soll bei der BeHome-Lösung auch der Datenschutz gewahrt sein. „Sämtliche Daten bleiben im System und werden nicht an Dritte weitergegeben“, versichert Kranz.

Bei Edeltraut Hügel sind die Sensoren von BeHome bislang nur teilweise angebracht. Im Januar hatte die 69-Jährige auf einer Infoveranstaltung in Saarbrücken von inviSa@Home erfahren. Nachdem im März bereits das Tablet, ein Wassersensor und ein mobiler SOS-Knopf in Form eines Armbandes kamen, werden nun die übrigen Sensoren für Fenster und Türen geliefert. „Das und die SOS-Knöpfe geben mir ein Gefühl der Sicherheit“, sagt Hügel. Datenschutzbedenken habe sie keine, und kompliziert sei die Nutzung des Tablets nicht. „Ich freue mich auf den hoffentlich bald möglichen digitalen Arztbesuch und unkompliziertes Lebensmittelbestellen von zu Hause aus.“

Auch Gerhard Senf ist einer der künftigen Nutzer von BeHome im Saarland. Der 70-Jährige ist auf Pflege angewiesen und setzt große Hoffnungen in das System: „Das könnte der Beginn von etwas sein. Ich meine, wenn moderne Technik und soziale Medien kombiniert werden, das ist der Hammer. Die kleinste positive Veränderung kann für mich schon größte Auswirkungen haben“, sagt Senf. „Abends, wenn ich ins Bett gehe, ist das wie ein Flugzeugstart. Wird auch nur ein Punkt vergessen, kann das Konsequenzen haben. Wenn zum Beispiel ein Pfleger vergisst, mir das Telefon in Reichweite zu legen.“ Telefonieren mit Freisprecheinrichtung, Nachrichten senden und elektrische Geräte fernsteuern, all das möchte Senf vom Tablet aus bald tun. „Mir gibt es ein Stück weit Autonomie trotz der schweren Einschränkungen.“

Das Projekt wird vom Saar-Wirtschaftsministerium gefördert. Daran beteiligt ist die Wohnungswirtschaft – GBS Saarlouis, Immobiliengruppe Saarbrücken und Woge Saar – und das AAL (Alltagsunterstützende Assistenzlösungen) Netzwerk Saar, wobei das Institut für Gesundheitsforschung und -technologie Saarbrücken das Projekt forschend begleitet. Die Woge bezuschusst derzeit einmalig mit 500 Euro den Einbau der BeHome-Komponenten. Zwölf Monate lang können Interessierte die individuell anpassbare Lösung für selbstständiges Wohnen kostenlos testen. Ab dem 13. Nutzungsmonat wird eine monatliche Gebühr erhoben.

invisa-at-home.de