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| 20:37 Uhr

Leseanimateurin Ellen Lischewski
Mit „Helga am See“ zur großen (Bücher-)Liebe

Ellen Lischewski liebt Kinderbücher und die Arbeit mit Kindern und Büchern. So hat sie ihren Traumberuf gefunden.
Ellen Lischewski liebt Kinderbücher und die Arbeit mit Kindern und Büchern. So hat sie ihren Traumberuf gefunden. FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Eine bewegte Lebensreise brachte die Buchhändlerin Ellen Lischewski an die Saar. Hier bringt sie Kindern die Freude am Lesen bei. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Schuld ist das Buch „Helga an der See“, ein Pappbilderbuch aus dem Jahr 1960. „Das hat mir meine Mutter ganz oft vorgelesen. Sie hat es mir immer wieder vorlesen müssen, bis das Buch ganz zerfleddert war und es weggegeben wurde“, erinnert sich Ellen Lischewski daran, wie ihre Liebe zu Büchern, und ganz besonders zu Kinderbüchern entstanden ist.

Ellen Lischewski, die heute als so genannte Lese-Animateurin für Kinder im ganzen Saarland unterwegs ist, stammt aus dem Oderbruch in Brandenburg. Schon mit vier Jahren war sie in einer Bibliothek angemeldet, und ihr war schon in der Schulzeit klar, dass sie Bibliothekarin werden wollte.

„Ich habe dann auch Bibliothekswesen in Leipzig und Dresden studiert“, erzählt sie. Nach dem Studium betreute sie mehrere Bibliotheken, die damals in Bahnhöfen untergebracht waren. „Das war noch zu DDR-Zeiten. Da unterhielt die Bahn in ihren Bahnhöfen kleine Bibliotheken. Ich kann mich noch gut erinnern, denn die Bücher wurden in Koffern von Bahnhof zu Bahnhof verschickt. Eigentlich eine witzige Idee“.

Nach der Wende wurden diese Bibliotheken geschlossen, aber davon ließ sich Ellen Lischewski nicht entmutigen. „Ich habe damals mit einem Verein den Bahnhof von Chemnitz gepachtet. Und wir haben daraus ein Kunst- und Kulturtreff gemacht“, berichtet sie. Zehn Jahre hat sie den Veranstaltungsort aufgebaut und bespielt, dafür sogar ein Studium des Kulturmanagements absolviert.

Das kulturelle Zentrum existiert heute noch, aber für Ellen Lischewski kam im Jahr 2003 eine Umbruchphase. „Ich wollte einfach nochmal was anderes machen“, erklärt sie. Daher verließ sie Chemnitz, den erwachsenen Sohn und ihre Arbeit und zog ins Saarland – der Liebe wegen. „Das war schon sehr blauäugig von mir damals. Ich bin ohne neuen Job einfach hierher gekommen“, erzählt sie kopfschüttelnd.

Aber sie fand als Bibliothekarin relativ schnell eine neue Arbeitsstelle. Sie baute im Kultusministerium für das Staatliche Büchereiamt die Leseförderung im Saarland mit auf. „Das war eine tolle Zeit. Ich bin durch das ganze Saarland gefahren, habe viele Kindergärten und Schulen kennengelernt, mich dort um den Buchbestand gekümmert“, schwärmt sie.

In dieser Zeit wird auch ihre Liebe zu Kinderbüchern wieder wach, die mit dem Buch „Helga an der See“ begonnen hatte. „Ich hatte Zugriff auf alle möglichen Bücher, habe meine ganze Freizeit nur gelesen. Zu Freunden in Chemnitz habe ich gesagt, ich bin im Paradies“, erzählt sie und lacht.

Gleichzeitig merkte Ellen Lischewski aber auch, wie viel Spaß und Freude es ihr machte, mit Kindern zu arbeiten, ihnen vorzulesen und die Lesungen auch zu animieren. Und darin sah sie dann auch ihre zukünftige Arbeit, nachdem das Staatliche Büchereiamt geschlossen wurde.

„Das war dann erst nochmal ein Bruch. Ich habe zuhause gesessen und mir überlegt, was könnte ich machen? Und dann dachte ich mir, Kindern vorzulesen, das könnte mein Leben werden“, erläutert sie. Und so wagte sie im Jahr 2006 den Sprung in die Selbständigkeit – als Vorleserin für Kinder. „Zuerst habe ich Ideen entwickelt. Und das Gute war, ich kannte ja schon die Lesetreffs und Institutionen“.

Dabei war es ihr von Anfang an klar, dass es nicht reichen würde, sich vor die Kinder zu setzen und einfach ein Buch vorzulesen. „Ich mache die Kinder auf das Buch neugierig. Ich lese nicht direkt vor, sondern überlege mit den Kindern, wovon könnte das Buch handeln? Wie würde die Geschichte riechen? Wie schmecken?“, erzählt sie von ihrer Vorgehensweise.

Wenn sie den Kindern vorliest, dann auch immer nur Teile eines Buchs. Denn danach wird überlegt, wie das Buch weitergehen könnte. Mittlerweile ist Ellen Lischewski in diesem Beruf angekommen, sie arbeitet für alle Lesetreffs der Stadt, aber auch für Vereine, leitet Seminare und bildet Vorlesepaten aus.

„Das Schönste ist aber, wenn ich Kinder später wiedertreffe und sie sich an das Buch, das ich vorgelesen habe, erinnern können. Dann ist etwas bei ihnen hängen geblieben, dann habe ich ihnen die Lust am Lesen und den Büchern vermittelt. Das ist meine eigentliche Intension“, erklärt sie und lächelt zufrieden.

Übrigens steht „Helga an der See“ auch wieder in ihrem Bücherregal. Das lange vermisste Buch ihrer Kindertage wurde ihr in der alten Originalausgabe vom Sohn zu Weihnachten geschenkt.