Missbrauchsskandal Uniklinik Homburg: Untersuchungsausschuss hörte Betroffene

Kostenpflichtiger Inhalt: Missbrauchsskandal an der Uniklinik Homburg : „Es gab nicht einmal ein Wort des Bedauerns“

Der Untersuchungsausschuss zu den mutmaßlichen Missbrauchsfällen am Homburger Uniklinikum hörte Erklärungen der Verantwortlichen. Politiker kritisierten die Ausführungen.

Die Sprecher der Fraktionen von CDU, SPD und Linken im parlamentarischen Untersuchungsausschuss „Missbrauchsverdachtsfälle“ an der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uniklinikums (UKS) sind sich weitgehend einig: „Es wartet sehr viel Arbeit auf uns“, sagt Dennis Lander (Linke) nach der Sitzung des U-Ausschusses. Jutta Schmitt-Lang (CDU) ergänzt: „Ganz klar ist, dass noch viel Aufklärungsarbeit vor uns liegt. Wir werden hier jeden Stein umdrehen.“ Und Jürgen Renner (SPD) stellt nach der Anhörung der bislang vier Betroffenen vom UKS zur eigenen Überraschung fest: „Es gab noch nicht einmal ein Wort des Bedauerns.“ Jeder der Betroffenen will demnach im Zusammenhang mit den Missbrauchsvorwürfen gegen den 2016 verstorbenen Assistenzarzt S. zu jeder Zeit das Notwendige veranlasst haben, also zeitnah und korrekt gehandelt haben. Dann bleibt aber die Frage offen, wieso die Eltern der mutmaßlichen Opfer erst Jahre später informiert wurden?

Fast drei Stunden lauschten die Parlamentarier am Mittwoch den Stellungnahmen des früheren Klinikchefs, Professor Dr. Alexander Gontard, der seinen Anwalt die Erklärung vortragen ließ, des kaufmännischen Vorstands Ulrich Kerle, der UKS-Justiziarin und einer Oberärztin. Alle haben angeblich die Verantwortung für die Vorfälle, so es denn überhaupt solche gegeben haben soll, weit von sich gewiesen. Auch von Vertuschung könne keine Rede sein, wird aus der nicht öffentlichen Sitzung berichtet. Zudem soll die Tatsache, dass dem Assistenzarzt Ende 2013 ein herausragendes Zeugnis ausgestellt wurde, als Routineangelegenheit dargestellt worden sein.

Linken-Sprecher Lander: „Die oft widersprüchlichen Stellungnahmen der Betroffenen bestätigen nur, wie wichtig dieser Untersuchungsausschuss ist.“ Der Kreis der Betroffenen in dem U-Ausschuss wird mit großer Wahrscheinlichkeit noch größer. Davon gehen Schmitt-Lang, Renner und Lander aus. Ein Vorfall an der Klinik für Hals-Nasen- und Ohrenkrankheiten (HNO) erhitzt die Gemüter. Ein sechsjähriges Mädchen wurde möglicherweise im Bereich der OP-Zone sexuell missbraucht. Ein Arzt hatte eine frische und blutende Verletzung festgestellt, die auf eine mögliche Vergewaltigung hindeuten könnte. Die Mutter des Kinder wurde angeblich erst später informiert. Medien berichten in diesem Zusammenhang von einem „Kartell des Schweigens“. Es ist davon auszugehen, dass der zuständige HNO-Klinikchef Professor Dr. Bernhard Schick demnächst ebenfalls zum Betroffenen des U-Ausschusses wird.

Der ärztliche Direktor und UKS-Vorstandschef Wolfgang Reith hat zwischenzeitlich bestätigt, dass im Juli 2012 im OP-Bereich bei einem kleinen Mädchen die Verletzung im Analbereich festgestellt wurde. Reith: „Die genaue Ursache der Verletzung konnte nicht geklärt werden.“ Der UKS-Vorstandschef macht allerdings keine Angaben dazu, wann die Eltern des Mädchen informiert wurden und wann die Polizei eingeschaltet wurde. Eine entsprechende Nachfrage dazu blieb am Mittwoch unbeantwortet.

Opfer-Anwältin Claudia Willger, die die Interessen dieses Kindes und auch mutmaßlicher Opfer des Arztes aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie vertritt, soll als erste Zeugin vor dem Untersuchungsausschuss aussagen. Darauf verständigten sich die Ausschussmitglieder am Mittwoch. Zudem sollen voraussichtlich fünf weitere Anwälte, die Opfer vertreten, in den Zeugenstand geladen werden.

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