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Mehr Organspenden im Saarland trotz Coronakrise

Bericht der Ärztekammer : Mehr Organspenden trotz Corona-Krise

Eigentlich wollte das Infoteam Organspende Saar (IOS) zum Tag der Organspende am Samstag, 6. Juni, eine weitere Gedenkstätte für Organspender im Saarland einrichten.

Fünf gibt es bereits, vier davon in Saarbrücken, eine in St. Wendel. Die sechste sollte am Uniklinikum Homburg entstehen, ein Baum ist bereits gepflanzt worden. Die zugehörige Gedenktafel wird nun wegen der Corona-Pandemie erst im September enthüllt. Mit den Tafeln soll all jener gedacht werden, die schwerkranken Menschen mit ihrer Organspende das Leben gerettet oder ein besseres Leben ermöglicht haben.

Und das sind – trotz der Corona-Pandemie – nicht gerade wenige. Laut Ana Paula Barreiros, geschäftsführende Ärztin der Deutschen Stiftung für Organtransplantation (DSO) im Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen, gab es im ersten Quartal dieses Jahres 150 Organspenden von 44 Spendern. Das sei „ein erfreuliches Ergebnis“, sagt Berreiros am Donnerstag, und um so beachtlicher, als es im Vergleichszeitraum im Vorjahr, ohne die Erschwernisse durch Corona, nur 128 Spenden gegeben habe. Im Saarland selbst steigt die Zahl der Spender seit 2013 kontinuierlich an. Vor sieben Jahren waren es noch acht pro Jahr, 2019 bereits 18. Josef Mischo, Präsident der Ärztekammer des Saarlandes, führt das unter anderem auf die 2014 in saarländischen Krankenhäusern installierten Transplantationsbeauftragten zurück. Diese fungieren als Schnittstelle zwischen Kliniken und der DSO und legen in den Häusern unter anderem Leitlinien für die Organentnahme, deren Vorbereitung und Ablauf fest. „Das Saarland hat hier eine Vorreiterrolle übernommen“, sagt Mischo. „In der überarbeiteten Fassung des Transplantationsgesetzes von Anfang Januar sind die Beauftragten jetzt auch bundesweit festgeschrieben.“ Zusätzlich habe die Debatte zum Jahresanfang das „Bewusstsein in der Bevölkerung für die Thematik geschärft“, sagt Mischo.

Auch Urban Sester, Leiter des Transplantationszentrums vom Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS), zeigt sich erfreut über die aktuelle Entwicklung. „Als ich die internationalen Zahlen zu Beginn der Corona-Pandemie gesehen habe, habe ich richtig Angst bekommen. Wir haben es aber hinbekommen, die notwendigen Intensivkapazitäten zu jedem Zeitpunkt bereitzustellen.“ Keine Selbstverständlichkeit, blickt man etwa nach Italien, wo die Organspenden während der Corona-Pandemie laut Barreiros von der DSO um 30 Prozent, in Spanien gar um 50 Prozent eingebrochen waren. Sester führt den erfolgreichen Umgang mit der Situation in Deutschland und im Saarland auf die „Disziplin in der Bevölkerung und in den Krankenhäusern“ zurück. Zwar mussten etliche der planbaren Lebendtransplantationen verschoben werden, um Personal und Patienten zu schützen, diese hätten es aber „vorbildlich ertragen“. Da jeder Organempfänger automatisch zur Risikogruppe gehöre, sei die Angst bei den Patienten am Anfang besonders groß gewesen, sagt Ärztekammerpräsident Mischo. Durch die Abstands- und Hygieneregeln habe man diese aber minimieren können.

Mischo, Sester und Barreiros hoffen künftig auf eine weiter steigende Spenderbereitschaft, diese setze aber voraus, dass ein Verstorbener zu Lebzeiten einer Entnahme zugestimmt hat. „Jedem steht die Entscheidung frei, man sollte sie aber unbedingt treffen“, sagt Mischo.