Saarbrücken: Mehr Gewalttaten in der City

Saarbrücken : Mehr Gewalttaten in der City

Saarbrücken gehört laut Statistik des Bundeskriminalamtes seit 2013 zu den zehn deutschen Großstädten mit den meisten Verbrechen pro 100 000 Einwohner.

Einen Besorgnis erregenden Spitzenplatz belegt Saarbrücken in den Statistiken des Bundeskriminalamtes (BKA). Dort rangiert die Landeshauptstadt seit 2013 unter den zehn deutschen Großstädten mit den höchsten Verbrechenszahlen pro 100 000 Einwohner – plakativ formuliert heißt das: Saarbrücken gehört zu den zehn gefährlichsten oder kriminellsten deutschen Großstädten.

2013 lag Saarbrücken auf Platz sieben, 2014 auf Platz neun, 2015, 2016 und 2017 auf Platz acht. Das ergab die SZ-Auswertung der BKA-Statistiken zu den sogenannten Häufigkeitszahlen (HZ) für Verbrechen in den 91 deutschen Großstädten (Städte mit über 100 000 Einwohnern) seit 2013.

Auch das BKA errechnet aus diesen Statistiken jährlich eine Rangfolge der gefährlichsten oder kriminellsten Städte, die dann durch die Medien geht. Allerdings bezieht sich das BKA dabei in der Regel nur auf die Städte mit über 200 000 Einwohnern. Dann bleibt Saarbrücken automatisch außen vor. So geschehen beispielsweise in der 2018 veröffentlichten Rangfolge für 2017. Da erscheint Hamburg auf Platz acht. Wenn aber auch die Zahlen aus den Großstädten mit über 100 000 Einwohnern in die Rechnung miteingehen, dann steht für 2017 plötzlich Saarbrücken auf Platz acht – und Hamburg fällt auf Platz neun.

Das Landespolizeipräsidium (LPP) hatte erst kürzlich Zahlen veröffentlicht, nach denen das Verbrechen in der Landeshauptstadt auf dem Rückzug ist (SZ vom 5. Juni). Demnach erfasste die Polizei 2016 im Stadtteil St. Johann 11 145 Verbrechen – und im Jahr 2017 nur noch 10 229, also 916 Verbrechen weniger.

2016 gab es in St. Johann beispielsweise 73 Raubdelikte in der Öffentlichkeit, 2017 nur noch 56. Auch die Zahl der registrierten Wohnungseinbrüche sank, 2016 waren es 136 in St. Johann, 2017 nur noch 86;  Rückgang: fast 37 Prozent.

Etwas anders wirken die Erfolge von 2017, wenn man zum Vergleich die Zahlen von 214 heranzieht. Die stehen in einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Linken und zeigen: die Gewaltkriminalität wächst.

Laut Landesregierung wurden 2014 in der Saarbrücker Innenstadt 11 587 Verbrechen registriert –  und 2017 nur noch 9960, also 1627 Verbrechen weniger. (Die Innenstadt ist kleiner als St. Johann.)

Aber: In derselben Zeit stieg die Zahl der registrierten Gewaltverbrechen in der City von 897 auf 1061 – also um 164. Das sind 18 Prozent.

Nach Tatorten gegliedert: an der Johanneskirche von 34 auf 88, am Hauptbahnhof von 504 auf 622 und im Nauwieser Viertel von 118 auf 181.  Nur am St. Johanner Markt sank die Zahl der Gewalttaten von 2014 bis 2017 von 150 auf 106.

Die SZ fragte die Stadtverwaltung und das LPP nach einer Erklärung für die steigende Zahl der Gewaltverbrechen und für Saarbrückens Spitzenplatz in der BKA-Statistik.

Stadt-Pressesprecher Thomas Blug wertet die Zahlen der Landesregierung als klaren Beweis dafür, dass die Stadt zu Recht immer wieder Alarm schlägt und vom Innenministerium mehr Polizisten fordert. Blug: „Was wir seit langem aufgrund diverser Berichte vermutet haben, ist damit bestätigt.“

Zuletzt hatte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz im Februar mehr Polizisten für die Stadt gefordert – „anlässlich der laut Polizei vermehrten Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Afghanen in Saarbrücken“.

Darauf hatte Innenminister Klaus Bouillon erklärt, laut Statistik sei die Zahl der Verbrechen in Saarbrücken von 2014 bis 2016 gesunken. Die Stadt brauche also keine zusätzlichen Polizisten. Den Zuwachs an Gewalttaten hatte der Minister im Februar nicht erwähnt.

Jetzt betonte Stadtsprecher Blug, für die Stadtverwaltung sei es durchaus keine Überraschung, dass sich die Gewalttaten „am Hauptbahnhof, im Nauwieser Viertel und rund um die Johanniskirche“ häufen. Blug glaubt aber: „Durch entsprechende Gegenmaßnahmen ist eine schnelle Trendwende möglich.“

Gleichzeitig warnt Blug vor Placebo-Lösungen: „In der politischen Debatte wird immer wieder nach einem stärkeren Engagement des Ordnungsamtes gerufen. Das ist Augenwischerei, die vom Mangel an Polizisten ablenkt. Für den Kampf gegen Straftäter fehlen den Mitarbeitern des Ordnungsamtes schlichtweg Ausbildung und Kompetenzen. Sie dürfen keine Waffen tragen und können bei einer Messerstecherei oder Schlägerei nicht eingreifen, ohne ihre Gesundheit oder gar ihr Leben zu riskieren.“

Das LPP vermutet folgende Gründe hinter den „hohen Häufigkeitszahen“ für Straftaten in Saarbrücken. Erstens: Die „Einkaufs- und Grenzstadt“ habe viele Besucher. Das begünstige Verbrecher. „Derart importierte Kriminalität“ gebe es auch „in anderen Großstädten wie Frankfurt, Berlin, Hamburg und Bremen“.

Zweitens: „Erklärungsansätze sind zudem in der Bevölkerungsdichte sowie der besonderen Bevölkerungsstruktur begründet.“