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Medien müssen bei Corona-Protesten kritisch hinschauen

Kommentar : Medien müssen kritisch hinschauen

Erst einmal die Luft rauslassen. Die aufgeheizten Gemüter sich wieder beruhigen lassen. Angesichts der zunehmenden Aggressivität, mit der sich Befürworter und Gegner der Corona-Maßnahmen nicht nur im Netz gegenüberstehen, kann man die Entscheidung der Organisatoren, die Corona-Demo in Saarbrücken vorerst abzusagen, durchaus nachvollziehen.

Genauso kann man aber auch die Kritik an deren bisherigem Vorgehen verstehen. Die Abgrenzung gegen Rechts kam zu spät, die gegen Verschwörungsideologen war zu schwach. Weniger nachvollziehbar ist jedoch der Vorwurf der Veranstalter an die Medien, dass diese mit einer kritischen Einordnung der Proteste und ihrer Teilnehmer eine „moderne Hexenjagd“ oder „Hetze“ betreiben würden. Wenn sich neben Menschen, die zu Recht aus Sorge um ihre Grundrechte auf die Straße gehen, auch Rechtsradikale und Anhänger von Verschwörungsideologien mit einem rassistischen und antisemitischen Weltbild einreihen, dann ist es die Aufgabe der Medien, hier genau hinzuschauen. Dies geschieht nicht, um die Veranstalter oder die anderen Demonstrierenden zu verunglimpfen. Es dient dazu, dass diejenigen, die jetzt auf die Straße gehen, dies auch in Zukunft weiterhin tun können.