Mathias Girbig war Schauspieler am Staatstheater in Saarbrücken

Rüstiger Ruheständler : „Ich hatte eine tolle Theaterzeit hier“

2009 ging er in Rente und zurück nach Leipzig – davor stand Mathias Girbig 25 Jahre in Saarbrücken auf der Bühne.

25 Jahre stand Mathias Girbig in Saarbrücken auf der Bühne und gehörte zu den tragenden Säulen des Ensembles. „Ich hatte eine tolle Theaterzeit hier“, sagt der 76-Jährige, der gerade mal wieder auf Kurzbesuch in der Landeshauptstadt weilt, rückblickend.

Er macht keinen Hehl daraus, auf welchen der drei Intendanten, die er bis zu seiner Verrentung 2009 miterlebt hatte, er die größten Stücke hielt: „Schildknecht hat mich sehr eigenverantwortlich arbeiten lassen, er hat mich nie gegängelt, und er hat tolle Regisseure hierher gebracht.“

Leute, „die feine interessante Sachen machten“, wie Wolfgang Suschke oder auch Andreas von Studnitz, fallen ihm sofort ein. Auch wenn Girbig die nach seinem Geschmack wichtigste Rolle bei von Studnitz, den Octavio Piccolomini in Schillers Wallenstein, nur bis zur Hauptprobe gespielt hatte. „Da hatte ich dann einen Unfall, hatte mir die Schulterbänder gerissen, ich musste vier Tage ins Krankenhaus, von Studnitz hat den dann selbst übernommen.“

Was damals ein Drama war, schrumpft angesichts von 130 Rollen, in denen Girbig brillieren konnte, nurmehr zur Anekdote. 2011, als auch Girbigs Frau, die als Souffleuse am Staatstheater arbeitete, das Rentenalter erreichte, zog das Paar zurück nach Leipzig, in die Stadt, aus der sie zu DDR-Zeiten ausgereist waren.

Hauptsächlich wegen jenes Hauses, dass man der Familie seiner Frau seinerzeit enteignet und inzwischen wieder zurückerstattet hatte, betont er. Ein Reihenhaus wie die in England, mit wunderschönem Garten, zehn Fahrradminuten von der Leipziger City entfernt und mit viel Platz, um all die Freunde aus der Saarbrücker Zeit zu empfangen.

Miriam Japp, Francesca Loetscher, Karen Köhler etwa. „Auch Schildknecht war schon da“, erzählt Girbig und wirkt etwas wehmütig. Menschlich vermisst er das Saarland, in dem es sich so leicht und unbeschwert lebe. Die Sachsen jammern ihm immer noch zu viel. Sätze wie, es sei ja nicht alles schlecht gewesen in „DDRien“, verursachen ihm Übelkeit.

Kulturell aber seien sie dort hingegegen „fantastisch versorgt“. Gern fährt das Ehepaar Girbig nach Dresden, Halle, Chemnitz, Berlin ins Theater. Das Leipziger Schauspiel haben sie zwar nach drei, vier Besuchen unter „kennichschon“ abgehakt, doch gibt es hier ja noch das Gewandhaus und das Mendelssohn-Haus.

Die haben es Girbig, der schon als Kind im Dresdener Kreuzchor und bei Walter Felsenstein in Berlin in Opern sang und eigentlich Opernsänger werden wollte, nicht nur als Besucher angetan. Er ist in diesen Häusern auch als Sprecher in literarisch-musikalischen Programmen mit Kammermusik-Ensembles und Organisten aktiv.

„Zum Beispiel Sommernachtstraum-Musik und ich spreche die Texte dazu oder Romeo und Julia zur Prokofjew-Musik“, erzählt Girbig. Durch seinen Kontakt mit dem Organisten Jörg Abbing entstanden auch schon Projekte in Saarbrücken. Im Oktober wollen die beiden hier noch einmal Händel-Musik in Kombination mit Auszügen aus Stefan Zweigs „Sternstunden der Menschheit“ zu Gehör bringen.

So ganz hat Girbig den Kontakt nach Saarbrücken auch deshalb nicht verloren, weil eine seiner beiden Töchter mit den zwei Enkeln in Klarenthal wohnt. Viel Zeit mit der Familie verbringen zu können, das genießt Girbig nach 50 Jahren Allzeitbereitschaft im Theaterbetrieb am Ruhestand besonders. Und das Reisen.

Ganz ohne kreative Betätigung aber hält Girbig aber auch dieses nicht aus. Alle lebenden oder bereits verstorbenen Familienmitglieder hat er in Porträtzeichnungen und Filmen festgehalten. Jede England- und Frankreichreise verarbeitet Girbig zu aufwändigen Reisefilmen. „Fürs Sterbebett, wenn wir nicht mehr können“, sagt er, in seiner typisch ironischen Art. So fit wie er wirkt, wird bis dahin noch viel Wasser die Themse hinunterfließen.

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