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Gleichberechtigung in der Sprache
Sprachkämpferin hat jetzt einen Verein hinter sich

Marlies Krämer kämpft für Gleichberechtigung in der Sprache.
Marlies Krämer kämpft für Gleichberechtigung in der Sprache. FOTO: dpa / Oliver Dietze
Sulzbach. Marlies Krämer macht gleich zu Beginn deutlich, worum es ihr an diesem Abend geht. Nach einem kurzen Blick in die Runde ergreift sie das Wort und begrüßt ihre „Gästinnen und Gäste”. Sie sagt, dass die heute weitgehend unbekannte weibliche Form im Grimm’schen Wörterbuch noch zu finden ist. Von Laura Vordermayer

Ihren Kampf um Gleichberechtigung in der Sprache focht die 81-Jährige gegen die Sparkasse Saarbrücken sogar bis vor den Bundesgerichtshof aus. Sie will in den Schreiben des Geldinstituts nicht mehr als Kunde, sondern als Kundin angesprochen werden (wir berichteten).


Nun kämpft sie weiter für die Gleichberechtigung von Frau und Mann – und die fängt für Marlies Krämer in der deutschen Sprache an. Vor einigen Tagen gründeten sie und Mitstreiterinnen den „Gemeinnützigen Verein zur Erlangung der sprachlichen Gleichberechtigung mit Sitz in Sulzbach”. Zu den Mitstreiterinnen gehören wohlgemerkt auch Männer: In der weiblichen Form des Wortes sei nämlich die männliche, Mitstreiter, automatisch enthalten. Das sogenannte generische Femininum, für das sich der Verein starkmachen will, spricht demzufolge Frauen und Männer gleichermaßen an. So ist in der Satzung von Schatzmeisterin, Schriftführerin und Beisitzerinnen die Rede. Dabei ist dem Verein zufolge klar, dass auch ein Mann Schriftführerin werden kann. Für die Gleichstellung von Frau und Mann in der Sprache setzt sich der Verein im Zweifelsfall auch juristisch ein.

Die Versammlung wählte Marlies Krämer einstimmig zur Vorsitzenden. Die bekennende Feministin ist bereit für die neue Herausforderung. „Frauen müssen sprachlich auch erkennbar sein, anstatt dass sie verschwiegen werden oder höchstens mitgemeint sind”, sagte sie. Das mittige Sternchen lehnt sie jedoch kategorisch ab: „Ich möchte als ganze Frau erkennbar sein und nicht zerstückelt werden.” Mit dem Sternchen aber werde die weibliche Endung vom Hauptwort abgetrennt.



Ist das schon radikaler Feminismus? Eine Reporterin hatte sie das gefragt. „Radikal ist ein wunderbares Wort. Es heißt, das Übel an der Wurzel zu packen und zu bekämpfen”, sagte Krämer. So gesehen ist sie also durchaus eine radikale Feministin mit dem festen Ziel, unsere Gesellschaft in Bewegung zu bringen. Die Gleichstellung von Frau und Mann in der deutschen Sprache ist für sie der Schlüssel dazu. Erste Erfolge hat sie schon: Die Sparkasse Bremen ließ ihr einen 19-seitigen Leitfaden für gendergerechte Sprache zukommen – mit der Bitte um Anregungen.