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Marius Buck, der Mann mit den Blechen

Musikerinnen und Musiker in der Region : Gäb’s hier Alpen, das Saarland wäre perfekt

Marius Buck ist ein großer Fan seiner Wahl-Heimat und in der hiesigen Musikszene bestens vernetzt. In seiner Werkstatt gibt es normalerweise regelmäßig Konzerte.

Künstlerisch geht es mir um eine echte Erfahrung, ich will einfach etwas spüren – so direkt als möglich. Es geht mir um den echten Moment, eine Situation im Hier und Jetzt. Irgendwo, sagen wir, bei einem Konzert bei mir in der Werkstatt: Eine Handvoll interessierter Menschen; ein paar Musiker spielen – darum geht es. Vermutlich bin ich auch darum so verbunden mit der Improvisierten Musik, weil hier die Situation ein wichtiger Teil ist. Und das ist es wohl auch, was mich mit der Klangkunst verbindet.“ Das sagt der Schlagzeuger, Klangkünstler und Instrumentenbauer Marius Buck.

Der gebürtige Allgäuer, Jahrgang 1991, stammt aus Wangen. Er ist Jazzabsolvent der Hochschule für Musik Saar (HfM), begeisterter Wahl-Saarbrücker und Akteur der hiesigen freien Szene. In seinem Atelier in der Großherzog-Friedrich-Straße 95 in Saarbrücken stellt Marius Buck unter dem augenzwinkernden Etikett „Buckblech“ Schlagzeugbecken her und veranstaltet dort seit ein paar Jahren auch Konzerte.

Die Liebe zur Perkussion keimte bereits im Kleinkindalter, als „ich begann, mit allem auf allem zu klopfen“, erinnert sich Buck. Auch in der Schule blieb das kaum verborgen: „Ständig wurde ich wegen ‚Geklopfes‘ ermahnt, konnte es aber nicht abstellen.“ In konkrete Bahnen steuerte der Drang zum Trommeln im Alter von sieben, als ihm der Vater eines Freundes, einst Schlagmann einer Schlagerkapelle, ein betagtes Drumset auslieh.

„Was ich am Schlagzeug liebe, ist das Körperliche, die Bewegung – und die Einfachheit. Es hat etwas Ursprüngliches, auf etwas zu klopfen, um zu sehen, wie es klingt“, sagt Marius Buck: „So begriffen, ist das Schlagwerk unendlich groß und immer da.“

Als Teenager entpuppte sich der angehende Drummer zusehends als autodidaktisches Multitalent, griff auch in die Saiten von Gitarre und E-Bass. Auf ein paar Jahre in einem Straßenmusik-Duo folgten nahezu wöchentliche „Mucken in der Region“, also kreuz und quer durchs Allgäu, mit einer Ska-Band und einem Jazz-Quintett.

Unterricht nahm Buck erstmals mit 16, sogleich mit dem Gedanken, „vielleicht eine Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule spielen zu wollen“. Mit der musikalischen Entwicklung änderten sich auch die Vorbilder und Einflüsse: Auf Reggaegrößen wie The Skatelites folgten Jazzer wie John Coltrane, Tony Williams („mein größter Einfluss als Schlagzeuger“) und Herbie Hancock.

„Ansonsten war ich immer und bin es noch ein recht offener Hörer, der nie nur dies oder das hörte – und immer eher in der Vergangenheit orientiert“. Bucks Sympathien-Spektrum reicht von Woodstock über 80er-Jahre-Pop, Hiphop, Singer-Songwriter-Kost, Allgäuer Dorfmusik bis zum weiten Feld der Weltmusik. Vor allem schätzt der Schlagwerker die sehr rhythmische südamerikanische Musik.

Zu zeitgenössischer Klassik, etwa den Szenischen Musikstücken von Maurizio Kagel, fand Marius Buck hingegen erst recht spät. Da hatte er sein HfM-Studium „Jazz und aktuelle Musik“ mit Hauptfach Drumset (2012 bis 2018) bei Oliver Strauch bereits abgeschlossen. Im Anschluss folgte außerdem ein Master-Studium der freien Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBK) bei Andreas Oldörp.

Zur Idee der eigenen Beckenmanufaktur „Buckblech“ kam’s 2014: „Ich bin eigentlich vom Typ her Handwerker, habe schon immer während der Schulferien im Handwerk gejobbt oder mit meinem Vater etwas gebaut. Also suchte ich nach einer Verbindung von Musik und Handwerk. Das wichtigste Instrument eines Jazzdrummers ist das Becken, das ich zu Beginn meines Studiums erst richtig kennen lernte – so landete ich beim Beckenbau“, erzählt Buck.

„Es hat etwas wahnsinnig Echtes und Direktes, wenn sich unter den Händen ein Stück Bronze verformt.“ Als „reine Arbeitszeit“ für ein Buck-Cymbal veranschlagt er „vielleicht zehn bis 15 Stunden, aber manchmal über ein ganzes Jahr verteilt“.

Die meiste Zeit verbringt der Beckenschmied („ich suche nach immer neuen Formen und Klängen“) freilich „mit der Modifikation bestehender Becken von Kunden aus ganz Deutschland und den Nachbarländern“.

Im geliebten Atelier probt er obendrein mit Bands, entwickelt klangkünstlerische Arbeiten, empfängt zum Schlagzeugunterricht und lädt seit 2017 zu Konzerten: „Einmal im Monat mache ich eine Veranstaltung, bei der experimentelle und Improvisierte Musik im Zentrum stehen.“

Werke des Klangkünstlers Buck sind teils international zu bestaunen, so aktuell etwa in Belgien: „In Neerpelt im Museum Klankenboos habe ich eine dauerhafte Installation im öffentlichen Raum.“ Von der Raumsituation ausgehend, versuche er, „bei einer klangkünstlerischen Arbeit das Visuelle mit gleicher Sorgfalt wie das Klangliche zu behandeln.“

Und welche Live-Projekte hegt der Musiker? „Instrumentum“ heißen mehrere „ortsbezogene szenische Musikstücke“, deren erstes (Instrumentum I) bei der Saarbrücker Sommermusik 2019 erklang. „Instrumentum II“ konnte Buck noch kurz vor dem ersten Corona-Lockdown im Kulturzentrum am Eurobahnhof (KuBa) umsetzen – beide Konzerte wurden zusammen mit einschlägigen Größen der hiesigen genre- und spartenübergreifenden Szene realisiert.

Marius Buck ist nicht nur in unsere Musiklandschaft bestens integriert und nennt als „wichtige Begegnungen, Menschen, mit denen ich heute gut befreundet bin und zusammenspiele“ etwa die Kollegen Wollie Kaiser und Stefan Scheib. Obendrein ist der alpine Musikus, den es hobbymäßig in die Natur und dort bevorzugt zum Gleitschirmfliegen zieht, ein ausgesprochener Saarland-Fan. „Gäbe es hier Alpen, würde ich für immer bleiben“, sagt Marius Buck, und unter der Rubrik „Zukunftspläne“ vermerkt er: „Die Alpen ins Saarland holen.“
www.buckblech.de