Marie Joselle Hendel aus Völklingen gewann bei „Jugend musiziert“

Porträt : Mit der Geige auf Erfolgskurs

Marie Joselle Hendel aus Völklingen besucht die Saarbrücker Marienschule und gewann bei „Jugend musiziert“.

Mit zwölf Jahren geht die Völklingerin Marie Joselle Hendel bereits in die achte Klasse des Gymnasiums Marienschule in Saarbrücken – weil sie nämlich eine Klasse übersprungen hat. Aber nicht nur in der Schule ist sie eine Überfliegerin, sondern auch an der Geige – die ist ihr Hauptinstrument, nebenbei spielt sie noch  Klavier.

Mit der Geige hat sie gerade zum zweiten Mal nacheinander einen ersten Preis gewonnen beim bundesweiten Wettbewerb „Jugend musiziert“. Es scheint, als hätten sich in ihr die musikalischen Gene ihrer beiden Großeltern väterlicherseits vereint. „Mein Opa war Konzertmeister, und meine Oma Solocellistin. Sie konnte auch sehr gut Klavier spielen“, erzählt Marie Joselle, deren Vater Christian immerhin die Geige so gut beherrscht, dass beide zusammen im Orchestre Symphonique Sarre-Lorraine spielen.

Aber dort sind die Rollen klar verteilt: „Er spielt zweite Geige, ich spiele erste Geige“, sagt die Tochter mit freudigem Stolz. Christian Hendel denkt auch, dass eine gewisse Musikalität bei ihr angeboren war: „Man hat die Prägung schon als Säugling gemerkt, wenn sie geschrieen hat oder wenn es irgendein Problem gab: Wenn sie Geigenmusik gehört hat, war sie sofort ruhig, wie in einem Bann.“

Mit knapp fünf Jahren fing sie an zu spielen, und der Bann ist nach wie vor ungebrochen. „Ich übe in den Ferien an die drei Stunden am Tag, ansonsten zwei bis drei Stunden“, erzählt das große Talent. Außerdem verbringt sie viel Zeit damit, andere Geiger anzuhören, einfach um zu wissen, wie die ein bestimmtes Stück interpretieren. „Daraus mischt man sich seinen eigenen Stil zusammen.“

Drei Vorbilder hat sie an der Geige: An erster Stelle steht Hilary Hahn, der Marie Joselle einst schon mal die Wange küssen durfte nach einem Konzert in Neunkirchen, als sie ihr Blumen überreichte. Nummer zwei ist für sie der russisch-amerikanische Violinist Jascha Heifetz, der im letzten Jahrhundert lebte. Den dritten Platz vergibt sie an Dawid Oistrach, der in der Sowjetunion Sologeiger bei Uraufführungen von Schostakowitsch und Khatschaturjan war.

Einen speziellen Lieblingskomponisten möchte Marie Joselle noch nicht nennen, denn: „Dafür habe ich noch zu wenig Erfahrung.“ Beim Wettbewerb hatte sie etwas vom Filmkomponisten Nino Rota gespielt, ansonsten studiert sie ein Solo-Konzert des Romantikers Henryk Wieniawski ein, das sie nächstens Jahr mit dem Orchestre Symphonique Sarre-Lorraine aufführen möchte.

Dann sprudeln doch die Namen aus der lebhaften junge Geigerin. Pablo de Sarasate oder Camille Saint-Saëns nennt sie, aber von den üblichen Verdächtigen Mozart und Bach hat sie auch schon gerne Stücke gespielt.

Trotzdem ist es nicht so, dass Marie Joselle komplett der Klassik verfallen wäre. „Manchmal, wenn ich Klassik geübt habe, denke ich: Jetzt höre ich mal was anderes.“ Das darf dann gerne aktuelle Popmusik von Sia, Shawn Mendes oder Rihanna sein.

Und Musik ist noch nicht mal das einzige Hobby des Energiebündels. Sie geht nämlich gerne auch schwimmen oder setzt sich alleine in ein Segelboot und fährt auf den See hinaus. Aber beruflich sollte es nach ihrem Wunsch schon auf die Geige hinauslaufen, egal ob als Orchester- oder Solomusikerin. Auf diesem Weg unterstützt wird sie von Geigenlehrerin Christa Schmitt-Rink aus Dudweiler.

Diese sei unglaublich gut, ein größeres Glück als Unterricht bei ihr könne man als Geiger im Saarland nicht haben, meint Vater Christian Hendel.

Auch der Marienschule ist er sehr dankbar: „Die legen keine Steine in den Weg, wenn Marie Joselle mal einen Tag frei braucht.“

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