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Saarbrücker Benjamin Kelm nimmt in Los Angeles an Wettbewerb teil
„Man braucht große Träume und Ziele“

Benjamin Kelm fährt nach Los Angeles. Foto: Oliver Dietze
Benjamin Kelm fährt nach Los Angeles. Foto: Oliver Dietze FOTO: Oliver Dietze
Saarbrücken. Jungschauspieler Benjamin Kelm vertritt Deutschland bei der Weltmeisterschaft in Los Angeles

Die Texte hat er immer dabei. In einem schwarzen Stoffbeutel trägt Benjamin Kelm die fünf Din-A4-Seiten mit sich herum, die ihn Ende des Monats nach Los Angeles begleiten sollen. „Dann kann ich zwischendurch immer mal drauf schauen“, erklärt der 29-Jährige. Aufgeschrieben hat er auf den Blättern die Szenen, mit denen er die Jury überzeugen will.



Benjamin Kelm ist Schauspieler und einer von 450 Künstlern aus rund 50 Ländern, die sich für die „World Championship of Performing Arts“ qualifiziert haben. Ab dem 30. Juni treten sie in Los Angeles zwei Wochen lang in den Sparten Tanz, Gesang und Schauspiel gegeneinander an.

Es ist der weltweit größte Wettbewerb dieser Art. „Man kann sich das so ähnlich vorstellen wie die Olympischen Spiele“, erklärt der junge Künstler. Als Schauspieler muss er für die erste Runde in fünf Kategorien je einen einminütigen Monolog vortragen. Kommt Benjamin Kelm weiter, werden ihm neue Aufgaben gestellt. „Die Kostüme habe ich schon besorgt“, erzählt er. Sie gehören zu den wenigen Mitteln, die außer seiner Person zum Einsatz kommen werden. „Einen Stuhl hab’ ich auch dabei“, so der 29-Jährige.

Spielen muss er in den Genres Klassik, Zeitgenössisches, Komödie, Drama und in einem offenen Bereich. Als klassisches Stück hat sich Benjamin Kelm eine Szene aus Goethes „Faust“ ausgesucht. „Mir ist aufgefallen, dass die Stücke und Filme, die ich gewählt habe, alle etwas mit Träumen zu tun haben. Das ist einfach mein Thema“, erzählt der 29-Jährige.

Träume spielen in Benjamin Kelms Leben eine große Rolle: „Ich bin mir sicher, dass man große Träume und Ziele haben muss. Selbst wenn sich ein Traum nicht erfüllt, ergibt sich auf dem Weg dorthin so viel anderes mit  wiederum neuen Träumen.“

Für ihn bedeutete das in den letzten Jahren Stationen in Köln, Trier, London und ein geplatztes Engagement, das den gebürtigen Saarländer zurück in seine Heimat führte. „Wenn das nicht so gekommen wäre, wäre ich nie auf die Schauspielschule Actíng and Arts gestoßen, durch die ich mich enorm entwickelt habe“, erklärt er. Inzwischen gibt er dort Kurse für Improvisationstheater.

Und noch eine Idee kam ihm durch die Rückkehr nach Saarbrücken: Für seine fast 95-Jährige Großtante, eine Saarländerin, die schon lange nicht mehr hier lebt, dachte er sich Geschichten zu Saarbrücken aus. „Ich wollte dadurch ein Stück Heimat zu ihr bringen“, erklärt der Schauspieler. Das so entstandene Buch wurde veröffentlicht und 2016 erhielt Benjamin Kelm für „Nichts ist alltäglich - Kurzgeschichten aus Saarbrücken“ den saarländischen Autorenpreis in der Kategorie Belletristik.

„Wenn ein Rückschlag kommt, führe ich mir immer vor Augen, was ich schon alles geschafft habe“, erklärt Benjamin Kelm. Er trägt das mit einer Entschlossenheit vor, als wolle er sein Gegenüber motivieren, es ihm gleich zu tun.

Und tatsächlich gibt er zu: „Ich mag es, andere zu ermutigen“. Das ist einer der Gründe dafür, dass er neben seiner Tätigkeit als Schauspieler, zum Beispiel im kürzlich gedrehtenARD-„Tatort“ als „Pfleger Rico“, auch für den Verein „2. Chance Saarland e.V.“ arbeitet, der sich für die Integration sozial benachteiligter Jugendlicher einsetzt.

Im Moment arbeite er beruflich gesehen noch mehr für den Verein als für die Schauspielerei. „Ich betrachte das wie eine Waage. Und auf der Schauspiel-Seite ist noch etwas Luft nach oben“, sagt er und lacht. Auch deshalb nimmt er am Wettbewerb in Los Angeles teil. Und was ist sein großer Traum für danach? „Irgendwann will ich in einer Serie mitspielen“, so Benjamin Kelm. Womöglich kommt er diesem Ziel in Los Angeles einen Schritt näher.