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Maike Erdudatz hat in St. Arnual das Geschäft „Werner Kunz Handwerke“

Serie Menschen im Regionalverband : St. Arnual hat eine besondere Nähstube

Maike Erdudatz bietet ihren Besuchern Zeit und Raum, Kreativität zu entfalten. Dann ist da noch die Sache mit Werner.

Wo der Werner ist? Der hängt grad auf den Bahamas ab. Oder doch unten im Keller, keine Ahnung. Macht nix, heute geht es ohnehin um Maike. Maike Erdudatz alias Werner 1. Denn es gibt mehrere Werner. „Bei uns darf jeder mal Werner sein und sich kreativ oder faul austoben.“ „Den“ Werner gibt es dagegen definitiv nicht mehr. Ihm gehörte einst das knuffige Ladenlokal in Sankt Arnual.

Wo anno 2020 Upcycling zelebriert, also Sachen aufgewertet werden, wo gedruckt und genäht wird, verkaufte Werner Kunz Schreibwaren. „Seine Tochter ist heute 98“, sagt Maike Erdudatz. Irgendwie hat sich das mit dem Werner-Phantom so entwickelt, als Jux. Immer, wenn nach dem Namensgeber gefragt wurde, hieß es: Werner ist grad da und da. All das erzählt Maike Erdudatz mit einem Augenzwinkern: „Es ist gut, wenn man sich selber nicht so ernst nimmt.“

Anders als den eigenen Anspruch. Dem fühlt sich die gebürtige Püttlingerin nämlich sehr wohl verpflichtet. Zusammen mit Fotografin Annika Gard betreibt die gelernte Erzieherin, die über eine sonderpädagogische Zusatzausbildung verfügt, seit vier Jahren das Geschäft „Werner Kunz Handwerke“.

Lange hat sie bei der Caritas als Integrationspädagogin gearbeitet. Bis das Bedürfnis heranreifte, „etwas selbst zu machen. Ich brauchte was Eigenes zum Entfalten“. Anni und sie kannten sich privat. Beide einte der Wunsch nach Räumen für eigene Projekte, die sie aber auch anderen zur Verfügung stellen wolle. Bevor sie im Werner loslegen konnten, mussten die seit den 50er- Jahren nicht mehr gemalerten Räumlichkeiten renoviert werden. Eine mühsame Sache, zumal mit zwei kleinen Kindern im Schlepptau. Manches Möbelstück durfte bleiben, hinzu kamen Regale voller Werkzeuge aller Art in zigfacher Ausführung. Vor allem aber hielten Ideen Einzug. Die ständig wechseln: „Wiederholungen interessieren mich nicht.“

Kreativität wurde der 43-Jährigen in die Wiege gelegt. „Ich bin im Schneideratelier meiner Mama groß geworden.“ Eine Welt, die sie immer noch liebt. „Nähen hat mich schon als Kind begeistert“.“ Aus Stoffresten fertigte Maike Kuscheltiere an, die sie gern Freundinnen zum Geburtstag schenkte. Unerheblich, dass die Freude da nicht immer auf Gegenseitigkeit beruhte.

Auch ihr anderes Hobby, Malen und Basteln, hat sie „sehr gründlich ausgelebt“, etwa mit der Gestaltung von Poesiebüchern oder Marionetten. Als es später in Richtung Berufsfindung ging, befand Maike Erdudatz: „Nur schneidern ist zu wenig“. Nur malen allerdings auch. „Wenn ich von allem etwas machen kann, dann bin ich froh.“

Als dritte Leidenschaft gesellte sich im Laufe der Jahre das Tanzen hinzu. Fünf Jahre lang studierte sie Tanzpädagogik, um „das Kunstvolle zu integrieren“. Und das funktioniert? „Auch wenn es sich anders anhört“, sagt die zweifache Mutter und nickt, „es geht. Jedes Bild kann man mit Bewegung interpretieren.“ Das vermittelt sie auch in ihren Projekten an Schulen.

Genäht wird stets im Werner: Dreimal im Halbjahr finden sich Interessierte, darunter etliche Wiederholungstäter, zu einer Mini-Auszeit ein, in der sie Kleidungsstücke ändern oder neu anfertigen, gemeinsam ein leckeres Bio-Mittagessen einnehmen, sich austauschen und gegenseitig anspornen.

Geleitet werden diese Arbeitstreffen von Maike und ihrer Mutter. Die ist inzwischen 68 und als gelernte Damenschneiderin die Gewissenhaftere von beiden: „Da wird sich zwingend noch mal vor den Spiegel gestellt und mit Nadeln abgesteckt.“ Diese Akkuratesse zahlt sich aus. Blusen, Röcke und Co .passen wie angegossen.

Werkelt Maike Erdudatz dagegen allein mit ihren Kindergruppen, geht es nicht um Erfolge, sondern mehr um Spaß, ums Ausprobieren und darum, sich was zu trauen. „Ein Fehler muss sein. Dann wird immer ein Tänzchen gemacht.“ Lassen sich die Mädchen und Jungen partout nicht aus der Reserve locken, rät sie: „Male so hässlich, wie du kannst.“ Egal, wie komisch die Eltern gucken.