Magic X-Treme Cheersport beim ATSV Saarbrücken

Cheersport in Regionalverband : Akrobatik auf dem Boden und in der Luft

Cheersport ist Hochleistungssport: Der Verein Magic X-Treme Cheersport aus Saarbrücken startet auch international durch.

Ponpoms schwingen und tanzend am Spielfeldrand Sportteams anfeuern sucht man hier vergebens. Denn was die Abteilung Magic X-Treme Cheersport des ATSV Saarbrücken darbietet hat rein gar nichts mit dem klassischen Cheerleading zu tun. „Cheersport ist Hochleistungssport“, sagt Roman Kirsch, Trainer und Abteilungsleiter.

Und das beweisen die Frauen und Männer schon zu Beginn ihres Trainings in der ATSV-Halle: Handstand, Flickflack, Salto, Schrauben, Radschlag. Das Tumpling, Bodenturnen, sieht für Außenstehende mühelos und elegant aus. Trotzdem sind einige Sportler unzufrieden. Die Arme sind nicht dicht genug am Körper, die Beine nicht gestreckt genug. „Wenn du aufkommst, bleib clean, Junge. Das gibt ansonsten sofort Punktabzüge!“, ruft Trainerin Simone Kirsch einem Cheersportler zu. Seine Füße stehen nach einem Rückwärtssalto nicht eng genug aneinander. Die Akrobatik am Boden ist fester Bestandteil der zweieinhalb Minuten dauernden Turnier-Routine der Mannschaft, die mit Musik unterlegt wird. Auch die Akrobatik in der Luft kommt nicht zu kurz: Hebefiguren, Pyramiden, die sogenannten Flyer, die bis zu acht Meter in die Luft katapultiert werden und Salti schlagen.

Die Teammitglieder geben sich gegenseitig Tipps. Man merkt schnell, welch großes Vertrauen untereinander herrscht. Und das ist sehr wichtig, wie Lena Müller betont. Die 23-Jährige aus Contwig studiert in Saarbrücken Psychologie. 2017 hat sie mit dem Cheersport begonnen. „Eine Kommilitonin hat mich zum Training mitgenommen. Eigentlich war ich nur neugierig und wollte mich über die Cheerleader lustig machen.“ Was sie dann erlebte, sei so ganz anders gewesen, als sie es sich vorgestellt hatte. Die Vielseitigkeit aus Tanz, Luft-Akrobatik und Bodenturnen habe sie begeistert – obwohl sie nie sportlich gewesen sei. Seit einem halben Jahr ist sie Flyer. Angst davor, so hoch in Lust geworfen zu werden, habe sie keine. „Ich vertraue meinem Team voll und ganz, dass es mich auffängt.“ Es herrsche ein „super Zusammenhalt“. Von den sportlichen Erlebnissen und Erfolgen profitiere Müller auch im Studium. „Beim Cheersport habe ich gelernt, über mich hinauszuwachsen. Ich habe nun eine andere Einstellung was Hindernisse betrifft. Ich sehe sie als Chance, statt mich davor zu verstecken.“

Einblick ins Training von Magic X-Treme Cheersport Saarbrücken

Das Teamgefühl und eigene Grenzen überwinden machen den Cheersport auch für Joshua Ngoumou aus Saargemünd so außergewöhnlich. Bis er zwölf war hat der 21-Järige in einem Verein in Forbach geturnt. Beim Cheersport gefalle ihm besonders, das Bodenturnen mit Tanzen zu verbinden. Ngoumou startet seit rund vier Jahren erfolgreich für Magi X-Treme in Einzel- und Mannschaftswettbewerben. Verletzungen sind dabei allerdings immer ein Thema. Verstauchungen, Zerrungen und Muskelkater seien keine Seltenheit. Auch einen Bänderriss hat er schon erlitten. Das „tolle Gefühl, auf etwas lange hinzuarbeiten und dann so erfolgreich zu sein“, mache das alles aber wett. Besonders sportlich müsse man nicht sein, um mit dem Cheersport zu beginnen. Aber: „Man braucht den Ehrgeiz weiterzumachen. Wir trainieren drei Mal pro Woche. Am Wochenende stehen Wettkämpfe und Auftritte an. Das muss man alles gut organisieren.“

Mit diesem Ehrgeiz war das Team national bereits erfolgreich: mehrfacher Regionalmeister, 2017 und 2018 deutsche Meister. Und in diesem Jahr misst sich das Team auch mit internationalen Konkurrenten – entweder im englischen Liverpool oder im französischen Lyon. „Unser Start in Liverpool hängt noch von einigen Punkten bezüglich des Regelwerks ab. Es kann sein, dass für die Teilnahme in England einige unserer Teammitglieder noch zu jung sind“, sagt Roman Kirsch. Fest steht auf jeden Fall, dass die Saarbrücker als Erstplatzierte in der Grandchampionliste Deutschlands ein Ticket für die World Class Cheer and Dance Meisterschaften in Los Angeles gelöst haben. Einziger Wermutstropfen: Der internationale Verband CCA übernimmt zwar die Startgebühren, die Reise- und Übernachtungskosten müssen die Saarbrücker selbst zahlen. „Wir sind nun kräftig am Sammeln“, sagt Kirsch.

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