Eine ganz besondere Konzert-Erfahrung Lumpenpack-Konzert in Saarbrücken: Wie es dazu kam, dass alle über meinen Namen lachten

Saarbrücken · Die Band „Das Lumpenpack“ spielte kürzlich in Saarbrücken. SZ-Volontärin Antonia Trinkaus schildert, warum sie plötzlich unfreiwillig im Mittelpunkt des Konzertes stand. Und was ihr Nachname damit zu tun hat.

Aus einem normalen Konzertbesuch wurde eine Blamage vor gut 800 Menschen und eine Geschichte, die erzählt werden muss.

Aus einem normalen Konzertbesuch wurde eine Blamage vor gut 800 Menschen und eine Geschichte, die erzählt werden muss.

Foto: Antonia Trinkaus

Nach 24 Jahren kommt nichts Neues mehr – zumindest an Sprüchen über meinen Nachnamen und damit verbundenen Kommentaren, was mein Trinkverhalten betrifft. Dachte ich. Jetzt kann ich sagen, ja, ich habe mich geirrt. Aber von Anfang an:

In der Masse untergehen. Zwischen gut 800 tanzenden Menschen, der Musik der Band „Das Lumpenpack“, guten Vibes vermischt mit ein bisschen Politischem – das war der Plan. Alles ziemlich spontan und damit ohne große Vorbereitung, auch was mein Äußeres angeht. Also habe ich mich vom Luxemburger Flughafen aus auf den Weg in die neue Heimatstadt Saarbrücken gemacht. Wer soll mich denn schon auf diesem großen „Lumpenpack“-Konzert in der Garage sehen?

Gesundheitskarte auf dem „Lumpenpack“-Konzert verloren

Das Konzert beginnt. Dank Moshpits funktioniert das mit dem Untergehen auch erstmal ziemlich gut. So gut, dass ich in der tanzenden Masse anscheinend nicht nur die Orientierung verliere.

Ahnungslos entferne ich mich vom Epizentrum des Moshpits in die eher sanft wiegende Sicherheit des hinteren Teils der Garage. Während einer Zwischenmoderation macht jemand im Publikum auf sich aufmerksam. Eine Gesundheitskarte fliegt auf die Bühne.

Als bekennende Liebhaber der guten Wortwitze ist der Name, der auf dieser Karte steht, nicht nur für die beiden Sänger eine Steilvorlage. „Das ist ein unglaublicher Name!“ „Ey, du musst doch wissen, dass wir dich meinen.“ Die Band teasert den Namen weiter an.

Plötzlich hallt mein Name durch die ganze Garage

Die Stimmung ist gut. Auch bei mir, nichts ahnend tanze ich mit Crémant in der Hand vor mich hin. Bis der Sänger meint: „Du bist doch immer voll, wenn du so heißt!“. Jetzt ist es der Ellenbogen meiner Begleitung, der in meine Seite fliegt. Und mein Name, der durch die ganze Garage hallt.

Menschen flippen aus, einige schreien auf. Und ich, ich frage mich, wie es zu diesem Moment kommen konnte. Einem Moment, in dem man sich überlegt, sich in die Anonymität zu stürzen und sich einfach nie zu erkennen zu geben. Oder ob auf das Geld für eine Namensänderung vielleicht besser angelegt gewesen wäre. Und während ich mir gedanklich schon mein Loch grabe, wird mir die Entscheidung durch einen weiteren beherzten Schubs abgenommen.

Die Sänger drücken mir ein Bier in die Hand: „Antonia, trink aus!“

Die Hallenbeleuchtung geht an und ehe ich mich versehe, teilt sich die Masse vor mir. Ich fühle mich wie Moses, der das Meer teilt, nur halt aus Versehen und laufe durch die mittlerweile still stehende Menschenmenge Richtung Bühne. Mit jedem Schritt verfluche ich meine Eltern, dafür, dass sie sich nicht um einen anderen Nachnamen gekümmert haben. Ich verfluche die Ehrlichkeit der Saarbrücker Moshpit-Fans und den Enthusiasmus der Band, was Wortwitze in Kombination mit alkoholischen Getränken angeht. Und mich selbst dafür, dass ich nicht einfach im Flieger sitzen geblieben bin.

 Dieses Bier reichten die beiden Sänger von „Das Lumpenpack“ unserer Redakteurin mit den Worten „Antonia trink aus!“

Dieses Bier reichten die beiden Sänger von „Das Lumpenpack“ unserer Redakteurin mit den Worten „Antonia trink aus!“

Foto: Antonia Trinkaus

An der Bühne drücken mir Max und Jonas, die Sänger der Band, dann mit meiner Karte auch gleich ein Bier mit den Worten „Antonia, trink aus!“ in die Hand. Die Musik geht weiter, ich bahne mir meinen Weg zurück. Immer noch fassungslos, raus aus dem Rampenlicht. So fassungslos, dass ich noch nicht mal Danke sagen kann.

Video aus Saarbrücken sorgt auch online für Aufmerksamkeit

In der Zeit, in der ich noch versuche, mich damit abzufinden, dass diese Blamage mich zwar mit den 800 anwesenden Menschen verbindet, aber sicherlich mit uns untergehen wird, erreichen mich schon Videos von Fremden über Instagram. Darauf zu sehen: mein unfreiwilliger Auftritt, der damit auch für die Ewigkeit festgehalten ist. Auch die Band selbst verpasst auf ihrer Instgram-Seite nicht die Chance, noch einmal an meinen Spotlight-Moment zu erinnern. Ja, Namen können wohl nicht nur Türen, sondern manchmal auch Biere öffnen.