Luftbuchungen ärgern Wirte im Regionalverband Saarbrücken

Unzuverlässige Gäste gehen ins Geld : Gastronomie leidet unter Luftbuchungen

Beim Italiener reserviert, aber dann doch lieber zum Chinesen – Restaurant-Kunden bringen Wirte in Bedrängnis.

„Tick-tack, tick-tack“ – schon vor einer halben Stunde wollten die Gäste hier sein. Sie hatten reserviert, doch der Tisch ist immer noch leer. Inzwischen ist dem Wirt klar: Die kommen nicht mehr. Mit einem Seufzer denkt er an das junge Paar, das vor 20 Minuten ohne Reservierung hereingeschaut hatte, das er aber wieder wegschicken musste, weil doch alle Plätze belegt schienen.

In der Gastronomie ist es ein seit drei, vier Jahren wachsendes Problem: Es wird reserviert, doch dann erscheint niemand – ohne rechtzeitige Absage. „Und nicht nur das“, sagt in Saarbrücken Frank Hohrath, „es scheint inzwischen fast schon chic zu sein – gerade auch vor Feiertagen –, in mehreren Restaurants gleichzeitig zu reservieren und sich dann das zu wählen, was gerade genehm ist.“ In der Branche kennt man sich, das Thema ist viel diskutiert, und so kommen solche Mehrfachbestellungen schon mal ans Tageslicht, schildert Hohrath, Hauptgeschäftsführer im saarländischen Landesverband des Deutscher Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga).

In Saarbrücken-Gersweiler hat man im Restaurant El Carnicero die Reißleine gezogen, will für die kommende Weihnacht bestimmte Menüs anbieten, die vorab zu bezahlen sind. „Viele Gruppen sind mit weniger Gästen als reserviert gekommen, und viele Gäste waren erst gar nicht erschienen“, berichtet Torsten Franzmann, einer der beiden Geschäftsführer, von Weihnachten 2018: An den beiden Tagen seien insgesamt 36 Personen, die reserviert hatten, ohne Absage nicht gekommen, während man auf der anderen Seite 70, 80 potentiellen Gästen absagen musste, weil das Restaurant ausgebucht war.

Nicht nur der Umsatz geht Restaurants dadurch verloren, es wird auch unnötig Ware eingekauft, und im Falle der Weihnachtstage im El Carnicero „hätte jeweils mittags und abends eine Servicekraft zu Hause bleiben können“. Das ist nicht nur ärgerlich wegen der Kosten, sondern auch für die Mitarbeiter, die ja womöglich die Feiertage lieber bei ihren Familien verbracht hätten.

In Großstädten gibt es inzwischen schon Restaurants, die sich bei der Reservierung eine Kreditkartennummer geben lassen und dann bei Nichterscheinen pro Person die Summe X abbuchen. Manche Gastronomen nutzen auch ein Online-Buchungssystem, das einen „Gast“, der drei Mal reserviert hat und nicht erschienen ist, nicht mehr als Kunden akzeptiert.

„Für unsere Stammkunden tut mir das wahnsinnig leid“, sagt Franzmann zu den künftigen Weihnachts-Reservierungen, aber es gehe nicht mehr anders. Offenbar werde die Gesellschaft rücksichtsloser und gleichgültiger gegenüber anderen – wobei Franzmann einen Unterschied zwischen den Generationen sieht: „Bei der älteren Generation ist das kein Problem – da gibt es welche, die rufen an, wenn sie nur fünf Minuten zu spät kommen.“

Sind die Älteren wirklich zuverlässiger? „Zahlen haben wir da natürlich keine“, so Dehoga-Geschäftsführer Hohrath. Aber die vielen Rückmeldungen von Gastronomen zu dem Thema ließen vermuten, dass da schon etwas dran sei. „Auf jeden Fall“ seien Ältere zuverlässiger, was Absagen betrifft, sagt auch Petra Hirchenhahn, die das Restaurant Hirchenhahn in Riegelsberg-Walpershofen betreibt. Das Problem mit nicht wahrgenommenen Reservierungen halte sich an normalen Tagen bei ihr zwar im Rahmen, „aber manchmal tritt es gehäuft auf. Fast so, als würde man es extra machen.“ Vor Feiertagen legt sie Wartelisten an, um wenigstens auf kurzfristige Absagen reagieren zu könne. Sie sei auch schon versucht gewesen, an Silvester um Vorkasse zu bitten, aber andererseits will man es sich natürlich mit der Kundschaft nicht verderben. „Unser Restaurant gibt es seit 60 Jahren“, so Petra Hirchenhahn, „wir haben viel Stammkundschaft und persönliche Kontakte. Und gerade für die Stammkunden ist das dann schon seltsam, wenn wir plötzlich um Vorkasse bitten.“

Und warum gibt es immer mehr „Luftbuchungen“, wie Hohrath es nennt? Das scheine, sagt er, darauf hinzudeuten, „dass manche Leute kein Gefühl mehr dafür haben, dass sich jemand anderes auf eine Zusage verlässt“.

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