| 20:44 Uhr

Turbulenzen auf der Bühne in Sulzbach
Lügen, Intrigen und handfeste Skandale

Herrlich rund ging es bei der „Bühnenreif“-Probe zu dem Stück „Der nackte Wahnsinn“.
Herrlich rund ging es bei der „Bühnenreif“-Probe zu dem Stück „Der nackte Wahnsinn“. FOTO: Thomas Seeber
Sulzbach. Am neuen Standort studiert das Theater-Ensemble „Bühnenreif Saar“ eine abendfüllende, turbulente Komödie ein.

  „Stopp! Du musst durch die andere Tür kommen.“ „Diese Tür geht nicht auf.“ „Und diese hier geht nicht zu.“ „Soll ich soufflieren oder mitspielen?“ Im ersten Moment wirkt die Szene, die gerade geprobt wird, sehr chaotisch. Aber das ist beabsichtigt. Wir besuchen das Theater-Ensemble „Bühnenreif Saar“ beim Einstudieren seiner neuen abendfüllenden Komödie. Kein geringeres Stück als „Der nackte Wahnsinn“ von Michael Frayn haben sich die ambitionierten Laiendarsteller nach ihrer Schaffenspause ausgesucht.


Die Farce ist ein Stück im Stück. Die Darsteller spielen Schauspieler, bei denen die Nerven blank liegen. Diese bereiten eine Komödie vor und haben dabei gegen Texthänger, Misstrauen, Eifersucht, mit Kontaktlinsen, Schwerhörigkeit, Alkohol und mit sehr vielen Türen zu kämpfen. Da wird auch schnell mal der Hausmeister eingebaut, und während der Regisseur verzweifelt versucht, alles zusammen zu halten, verrät der Blick hinter die Kulissen, dass er mit fast allen Damen des Ensembles eine Affäre hat. Lügen, Intrigen und handfeste Skandale beherrschen die Szenerie. Es herrscht das pure Chaos.

„Die Herausforderung für die Schauspieler ist dabei, dass sie nicht nur die Schauspieler des Stückes spielen sondern auch die Rolle, die diese Schauspieler darstellen. Quasi eine Doppelrolle für jeden. Das ist zunächst sehr verwirrend aber auch urkomisch“, erklärt uns Lisa Bost. Gemeinsam mit David Schreiber führt sie Regie. Bis zur Premiere im September ist es zwar noch ein wenig hin, aber geprobt und gearbeitet wird schon sehr fleißig im neuen Proberaum.

Wir erinnern uns: Nach den erfolgreichen Aufführungen der Komödie „Neurosige Zeiten“ im September letzten Jahres musste die Gruppe schweren Herzens Abschied nehmen vom „Klosterkeller“, der in den Jahren davor ihr Zuhause geworden war. „Der Klosterkeller ist damals gerade verkauft worden, und der neue Besitzer hat andere Pläne für das Gebäude und die Bühne“, erzählte man uns damals. Dort war es für uns perfekt, wir hatten Proberäume vor Ort und konnten unsere Kulisse und die Kostüme immer dort lassen. Die Bühne und der Saal hatten eine ideale Größe.“ Nun galt es, eine neue Bleibe zu finden. Die Suche gestaltete sich schwieriger als gedacht. „Wir hatten unter anderem das Schützenhaus in Dudweiler im Auge und auch einige Zeit einen Proberaum in der Theaterakademie in Saarbrücken gemietet. Aber unser Ziel war es immer, in Sulzbach zu bleiben, und nun haben sich für unsere Proben diese Räume im ehemaligen ,Café Tasse’ schräg gegenüber dem Bahnhof angeboten. Unsere Aufführungen werden wir im Salzbrunnenhaus durchführen“, erzählt Lisa Bost: „Wir hatten einen Umbruch, aber nun sind wir wieder da und hochmotiviert.“ Dabei wird es auf der deutlich kleineren Bühne im Salzbrunnenhaus zu einer Herausforderung kommen. „Das besondere dabei ist das Bühnenbild, das aus vielen Türen besteht und das einmal komplett gewendet wird, wenn das Stück einmal vor und einmal hinter den Kulissen stattfindet“ erklärt Bost. Man kann es sich schon etwas vorstellen, wenn man den Proberaum mit den Türen sieht. Auf ihnen steht unter anderem „Wäschekammer“, „Schlafzimmer“ oder „Flur“. Geprobt wird hier öffentlich jeden Dienstag ab 18 Uhr und in regelmäßigen Workshops auch an Wochenenden. Auch wenn die Rollen fürs Erste besetzt sind, freut sich die Gruppe stets über neue Mitstreiter. „Wir suchen neben Darstellern auch besonders Leute, die sich gerne um das ,Drumherum’ kümmern, wie die Technik, das Bühnenbild, die Kostüme oder auch um die Öffentlichkeitsarbeit – das machen wir alle momentan selbst. Jeder hat weitere Aufgaben und das ist mitunter ganz schön belastend“, meint Lisa Bost: „Theater ist eben nicht nur Schaupielerei.“ Auf die Aufführungen freuen sich schon alle sehr. „Wir haben zwar das Manuskript, aber wir machen da wieder unser Ding draus. Ganz so, wie es unsere Zuschauer von uns kennen.“ Das Publikum darf sich schon jetzt darauf freuen.

Infos unter www.buehnenreif-saar.de