Ludwigsparkstadion Saarbrücken Wurde beim Rasen-Neubau getäuscht? Das sagt die Stadt zur FDP-Attacke

Saarbrücken · Der millionenteure Umbau des Ludwigsparkstadions erhitzt seit Jahren die Gemüter. Jetzt muss der Rasen komplett erneuert werden. Hat die Stadt bei der Planung „schlampig“ gearbeitet? Die FDP erhebt schwere Vorwürfe.

 Im Februar wurde der Rasen im Ludwigspark ausgetauscht, nun wird das Spielfeld komplett erneuert.

Im Februar wurde der Rasen im Ludwigspark ausgetauscht, nun wird das Spielfeld komplett erneuert.

Foto: BeckerBredel

Es ist ein Frontalangriff auf die Stadtverwaltung, speziell auf Saarbrückens Baudezernenten Patrick Berberich (CDU). Mit markigen Worten hat die FDP-Fraktion die jüngste Entscheidung des Stadtrates kommentiert, zusätzliches Geld für den Neubau des Rasens im Ludwigspark bereitzustellen. 200 000 Euro bewilligte der Rat Anfang des Monats ohne Diskussion und nahezu einstimmig. Das Geld ist nötig, so die Begründung im Stadtrat, da vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) „aus Gründen der Nachhaltigkeit zur Energieeinsparung“ bei einem Neubau einer Spielfläche erstmalig der Einbau einer Dämmung unterhalb der Rasenheizung gefordert wird.

FDP: „Schlampige Arbeit oder Verschleierung der wahren Kosten?“

Wenige Tage nach dem Votum verschickte die FDP eine Pressemitteilung mit schwersten Vorwürfen. Schon die Überschrift hat es in sich: „Schlampige Arbeit oder Verschleierung der wahren Kosten?“ Nach Ansicht der FDP sind die Mitglieder des Stadtrates „über den wahren Sachverhalt einer Kostensteigerung für den neuen Rasen mutmaßlich getäuscht worden“.

Wie Fraktionschef Helmut Isringhaus erläutert, sei den Stadträten in einer vorbereitenden Ausschusssitzung im April eine Ausschreibung für den Rasen-Neubau vorgelegt worden, „die bereits seit fünf Monaten überholt war“. Demnach fehlte ein wichtiger Bestandteil – die Dämmung unter der Rasenheizung. Allerdings sei diese Vorschrift für die Dritte Liga vom DFB bereits am 8. Dezember 2023 veröffentlicht worden, so Isringhaus. „Darüber hinaus muss eine Wärmedämmung gegenüber dem Baugrund eingebracht werden“, heißt es wörtlich in einer DFB-Meldung von jenem Tag, in der über vom DFB-Präsidium beschlossene Änderungen im Zulassungsverfahren zur Dritten Liga informiert wurde.

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Foto: Christine Funk

Wurden Stadtrat und Bürger getäuscht?

Isringhaus kritisiert scharf, dass „mutmaßlich wieder dem alten Muster gefolgt wurde“, das seiner Meinung nach so aussieht: Möglichst geringe Kosten für eine Maßnahme ansetzen, damit sie Akzeptanz findet – und später eine „angeblich unvorhersehbare, durch Dritte hervorgerufene Kostensteigerung konstruieren“. Der FDP-Mann sagt klipp und klar: „Das wäre eine Täuschung des Stadtrats und der Bürger!“ Sollte dies stimmen, müsste es „unmittelbar“ Konsequenzen geben.

FDP-Fraktionschef Helmut Isringhaus

FDP-Fraktionschef Helmut Isringhaus

Foto: FDP/BeckerBredel

Isringhaus weiter: Sollte andererseits die Aussage des Baudezernenten stimmen, der nach der Stadtratssitzung in einem Fernsehinterview erklärt hatte, bei der Planung sei die neue Vorschrift einer Dämmung nicht bekannt gewesen, wäre das „ein Armutszeugnis“ für die Stadt: „Und würde wieder einmal die mangelhafte Arbeit in Bezug auf den Ludwigspark belegen.“

Das sagt Baudezernent Berberich zu den Vorwürfen

Was stimmt, was ist dran an den Vorwürfen? Baudezernent Berberich reagiert gelassen auf die Angriffe der FDP, kann sich eine Spitze gegen die Partei aber nicht verkneifen. Auf SZ-Anfrage betont er, die FDP habe alle Entscheidungen zur Rasensanierung mitgetragen. „Dies liegt offensichtlich daran, dass das Vorgehen der Verwaltung im Ergebnis zu einer wirtschaftlichen Gesamtlösung führt“, meint Berberich. Er attestiert der FDP, im Ausschuss wie im Stadtrat „durchaus sachbezogen“ gehandelt zu haben. „Dies kann jedoch nicht von der Medienarbeit behauptet werden, die wohl auf den anstehenden Wahltermin zurückzuführen ist“, erklärt Berberich und erklärt sich damit die massiven Anschuldigungen.

Baudezernent Patrick Berberich (rechts) zusammen mit Oberbürgermeister Uwe Conradt im Februar im Ludwigsparkstadion.

Baudezernent Patrick Berberich (rechts) zusammen mit Oberbürgermeister Uwe Conradt im Februar im Ludwigsparkstadion.

Foto: BeckerBredel

Doch die Frage der FDP ist damit noch nicht beantwortet: „Schlampige Arbeit oder Verschleierung der wahren Kosten?“ Wie es aussieht, hat die Stadt bei der Planung des Rasen-Neubaus ihre Hausaufgaben nicht vollständig erledigt, mindestens nachlässig agiert. Gegenüber der SZ räumt die Stadtpressestelle folgenden Fehler ein: Man habe sich bei der Vorplanung an den in der Regel höheren Richtlinien der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die 1. und 2. Bundesliga orientiert, „um die Sanierung des Spielfeldes möglichst zukunftsfähig zu gestalten“. Eine zusätzliche Dämmung, so erklärt die Stadt, werde von der DFL nicht verlangt. „Es trifft zu, dass bei der verwaltungsinternen Vorplanung durch die Fachabteilung im Februar 2024 nicht bekannt war, dass die Neuauflage mit einer zusätzlichen Dämmung unter der Rasenheizung auch für Anlagen mit bereits bestehender Rasenheizung gelten soll.“ Man sei nicht davon ausgegangen, dass für die Dritte Liga höhere Standards als für die Bundesliga angesetzt werden.

DFB besteht laut Stadt auf Einbau einer Dämmung

Erst nach der Beauftragung des Fachplaners am 1. März habe es Gespräche mit dem DFB gegeben, um die Frage zu klären, ob die neue Vorschrift auf Anlagen mit bestehender Rasenheizung anzuwenden ist. Der DFB bestand demnach auf dem Einbau der Dämmung. Immerhin habe sie noch vor Veröffentlichung der Ausschreibung zum Rasen-Neubau „ordnungsgemäß in die Ausschreibung integriert“ werden können. Die Arbeiten stellten mithin „keinen unwirtschaftlichen Nachtrag“ dar.

Teurer wird der Rasen dennoch, was nicht nur der FDP missfallen dürfte. Ohne die Erklärungen der Stadt zu den Mehrkosten zu kennen, hatte Fraktionschef Isringhaus am Donnerstag seine Kritik bekräftigt: „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Stadt nicht in der Lage war, die Bauarbeiten am Ludwigspark richtig zu planen, auszuschreiben und zu beauftragen. Trotzdem wird immer so weitergemacht.“ Isringhaus fordert einen Neuanfang: „Der Lupa muss von Profis weiterentwickelt und später auch betrieben werden!“

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