Luca Kist, Vorsitzender des Städtebaubeirates, nimmt Stellung zu den Plänen für den Bürgerpark.

Kostenpflichtiger Inhalt: Interview Luca Kist : „Mehr Wachpersonal wäre wünschenswert“

Luca Kist, Vorsitzender des Städtebaubeirates, nimmt Stellung zu den Plänen für den Bürgerpark.

Die neue Saarbrücker Ratskoalition von CDU, Grünen und FDP hat Vorschläge zur Aufwertung des Bürgerparks gemacht. Auch die SPD ist dafür. Die Bürgerinitiative für den Park warnt davor, das Konzept des Parkes beliebig zu verändern. Wir haben den Vorsitzenden des Städtebaubeirates nach seiner Meinung zu den verschiedenen Vorschlägen  gefragt. Luca Kist ist Landschaftsarchitekt.

Braucht der Bürgerpark ein Konzept zur Attraktivitätssteigerung?

Luca Kist: Die Frage suggeriert, dass es ein Attraktivitätsdefizit gibt. Wenn mit Attraktivitätssteigerung die Bespielung des Parks mit Veranstaltungen gemeint ist, so bin ich der Auffassung, dass dieses Potential tatsächlich noch nicht ausgeschöpft ist. Die Events unter anderem anlässlich des 30-jährigen Jubiläums haben gezeigt, wie vielfältig und facettenreich sich der Park seinen Nutzern präsentiert. Ob Markt, Festival, Konzert, Theater oder Sportevent, keine andere Grünanlage in der Landeshauptstadt besitzt so viele unterschiedlich bespielbare Räume wie der Bürgerpark. Und gerade deshalb unterscheidet er sich von den tradierten Vorstellungen einer „schnieken“ Grünanlage. Er besitzt die Widerstandsfähigkeit und die Strapazierfähigkeit die durchgestylte Parks oftmals vermissen lassen. Rein konzeptionell würde ich mir wünschen, dass auch die Künstler – und Kulturszene den Park für sich entdeckt, und ihn als Bespielungsort herausfordert. Er wird es ihnen danken.

Was halten Sie davon, Sport und Freizeitangebote für alle Altersgruppen sowie ein ständiges gastronomisches Angebot einzurichten? Vorgeschlagen sind etwa ein Basketballfeld und ein Kinderspielplatz.

Kist: Das Hinzufügen von gut gemeinter Ausstattung und Trendsetterangeboten in den Park führt am Ende zum Ausbluten seines postindustriellen Charmes und damit seiner Individualität. Ich warne daher davor, dem Park eine Maske aufzusetzen, die ihn seiner Seele beraubt. Was kann es Schöneres geben als einen riesigen informellen Abenteuerspielplatz, auf dem man auch mal bolzen oder bouldern kann. Ein dauerhaftes gastronomisches Angebot hingegen, dass es im Übrigen noch bis 2003 in den sogenannten Pavillons des Parkhauses gab, wird seit jeher begrüßt. Aufgrund der Lage, der verkehrstechnischen Anbindung und der unbefriedigenden Nachbarnutzungen, ist es allerdings nie gelungen aus dem Stadium des Saisongeschäftes herauszukommen. Bei allen Überlegungen ist das Urheberrecht des Entwurfsverfassers Professor Peter Latz zu beachten; er muss in die Planungen einbezogen werden.

Was halten Sie davon, entlang der Wege Trinkbrunnen aufzustellen?

Kist: Eine wunderbare Art den öffentlichen Raum zusätzlich zu beleben. Die Anlagen haben leider eine hohe Vandalismus- und Verschmutzungsanfälligkeit. Auch der gestiegene gesellschaftliche Hygieneanspruch (siehe auch die aktuelle Keimbelastung in Dillingen) und die damit verbundene Angst vor Trinkwasserverunreinigen zeigen, dass die Anlagen, anders als in südlichen Ländern, bei uns weniger genutzt werden.

Wie könnte aus Ihrer Sicht ein „Sicherheits- und Beleuchtungskonzept“ aussehen?

Luca Kist. Foto: Thomas Seeber

Kist: Ich halte nichts von einer verkehrssicheren Ausleuchtung bis in den letzten Winkel eines jeden öffentlichen Raumes, die den Präventionsmaßnahmen der Ordnungshüter Rechnung trägt. Eine wohl austarierte und behutsam integrierte Illumination im Geiste des Ursprungskonzeptes wäre vorstellbar und müsste im Einklang mit dem bereits genannten Urheberrecht stehen. Darüber hinaus wäre zusätzliches Wachpersonal sicherlich wünschenswert, um dem Sicherheitsempfinden Rechnung zu tragen. Aber soziale Kontrolle und damit einhergehend auch das Sicherheitsempfinden entsteht durch Menschen, die Belebung und die positive Besetzung eines Ortes, womit wir wieder bei der Eingangsfrage wären.

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