Lokalspitze : CD-Spieler wird wunderlich

Ich kenne ihn jetzt fast  mein halbes  Leben lang. So ungefähr seit der Wiedervereinigung. In jenen ersten  Oktobertagen des Jahres 1990 wollte ich nicht länger an den damals so schön langen Regalen mit den klingenden  Silberlingen vorbeitigern müssen. Wollte nie mehr müde abwinken müssen, wenn mich Bekannte nach der neuen CD von dieser oder jener Band fragten. Damals, als wir noch in Hagen wohnten. Wir gingen in ein kleines Fachgeschäft  im benachbarten Hohenlimburg und wagten den Sprung in ein neues Zeitalter.

Ja, wir hatten lange gewartet mit dem ersten CD-Gerät. Der Plattenspieler, an der Schwelle der Neunziger auch schon zwölf Jahre alt,  tat schließlich immer noch  tapfer seine Dienste und holte mit teuren Spezialnadeln Erstaunliches aus den Rillen. Vor allem, wenn wir die schwarzen Kostbarkeiten nass abspielten.  Der Plattenspieler war einfach viel besser als das superteure Kassettendeck mit der angeblich unschlagbaren Rauschunterdrückung.

Tja, und dann trat der kastige Japaner seinen Dienst als Verwerter der Digitalscheiben an. Erstes Teil der Sammlung: Bob Seger und seine Silver Bullet Band, live. Und dann füllte sich der kleine CD-Ständer, musste weiterer Stauraum her für immer neue Entdeckungen aus dem großen Reich der schönen Töne. Nicht alles, was wir damals toll fanden, steht heute noch hoch in unserer Gunst.  Und so manches wurde erst beim zweiten Hinhören schön.

Aber nur, solange die Technik mitmachte. Jetzt zickt sie nur noch rum. Die Lade öffnet und schließt sich unvermittelt, als wolle der alte Knabe für ein bisschen Spannung vor dem Hörvergnügen sorgen.

Die steigert er noch mit asthmatischem Rasseln, ehe er die Titel schließlich doch noch findet. Und selbst dann kann er sich ein altersschwaches Gezischel nicht verkneifen. Fast so, als wolle er mich für meinen Geschmack tadeln. Egal, was ich ihm mit wachsender Nervosität in die unzuverlässige Lade lege.

Morgen kommt nun sein Nachfolger ins Haus. Die große Zeit der CD-Spieler ist fast schon vorbei, wie das ausgedünnte Sortiment mir zeigt. Aber mit Musik aus dem Computer kann ich mich nicht anfreunden.

Und was soll aus all den Errungenschaften werden, die wir nicht mehr abzuspielen wagten. Ab morgen erleben sie ihr Comeback. Vielleicht klingen sie ja  wieder so frisch wie einst.  Auch eine Möglichkeit, ein Stück Jugend zurückzuholen.

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