Lilian Petry hilft beim Verein Haus Afrika in Saarbrücken

Serie Menschen im Regionalverband : Lilli hilft Kindern aus der ganzen Welt

Vor 20 Jahren lag sie in Uganda im Sterben, in Deutschland wurde sie gesund. Jetzt arbeitet sie im Verein Haus Afrika.

„Lilli, kannst du mal kurz kommen? Lilli, guck mal bitte hier. Lilli, ich bin fertig mit der Arbeit.“ – An einem normalen Wochentag ist Lillian Petry beim Verein Haus Afrika die gefragteste Person überhaupt. Der Verein hat seinen Sitz in der Großherzog-Friedrichstraße. Jeden Tag hilft Lilli vielen Kindern aus der ganzen Welt, sich in Deutschland zurechtzufinden. Sie hilft ihnen bei alltäglichen Dingen, beim Erlernen der Sprache und beim Ankommen. In 16 Jahren bei Haus Afrika hat die 49-Jährige schon tausende von jungen Menschen unterstützt. „Deutschland hat mir in der schlimmsten Zeit meines Lebens sehr geholfen, und ich möchte etwas zurückgeben“, sagt die Frau aus Uganda, die ohne Deutschland nicht mehr leben würde.

Vor 20 Jahren war Lilli wie sehr viele Menschen in Uganda an Aids erkrankt. Mit nur 29 Jahren lag sie im Sterben, hatte neben Aids auch Tuberkulose und musste beatmet werden. Die einzige Chance für eine medizinische Behandlung war Europa. Verwandte und Freunde von Lillian Kababiito (so ihr Mädchenname) sammelten Geld für den Transport und die Behandlung in Deutschland. Nach monatelangen Krankenhausaufenthalten in Leipzig und Frankfurt kam Lilli im Jahr 2003 nach Saarbrücken – ohne Deutsch zu sprechen und ohne ein Dach über dem Kopf.

Das Haus Afrika half der damals 33-Jährigen. „Der Anfang war extrem schwer. Ich konnte kein Wort Deutsch und konnte eigentlich nur Kaffee kochen“, erzählt die bemerkenswerte Frau aus Uganda. Uganda liegt mitten in Afrika und hat ein Traumklima. Jeden Tag im Jahr sind es zwischen 25 und 30 Grad, es gibt ausreichend Regen und viel Sonne. Aber: „Ich liebe in Deutschland den Wechsel der Jahreszeiten und das unterschiedliche Wetter“, sagt Lillian Petry.

Bereits nach wenigen Monaten im Haus Afrika bekam Lilli ihre eigene Wohnung und lernte pausenlos Deutsch. Es folgten eine bestandene Ausbildung zur Bürokauffrau, die Hochzeit und die Geburt ihrer Tochter, die in diesem Jahr Abitur gemacht hat. „Ich habe so oft in meinem Leben schon gehört, dass Dinge nicht möglich oder unerreichbar wären. Ich habe immer auf mein Herz gehört, mich angestrengt und alles erreicht, was ich wollte“, sagt Lilli. Mittlerweile war die 49-Jährige auch schon wieder zu Besuch bei ihrer Familie in Uganda.

„Dort bin ich mittlerweile auch schon fast eine Ausländerin, weil ich angeblich zu europäisch geworden bin. In Deutschland bin ich auch Ausländerin, das wird sich wohl nie ändern. Es gibt viele Vorurteile und Kompetenzen werden in Frage gestellt“, sagt die 49-Jährige, die sich allerdings nicht beschwert. Dafür ist ihr das Leben zu kostbar.

Sie freut sich viel lieber über die kleinen Dinge – wie über den zehnten orientalischen Markt, der am kommenden Samstag ab zehn Uhr in Burbach stattfindet. „Es ist toll, dass es solch einen Markt gibt. Aber es herrschen leider deutsche Regeln und deutsche Bestimmungen. Die Bürger von Saarbrücken sollten mal erleben, wie so ein Markt in Uganda abläuft. Musik, Haare machen, Essen kochen und verkaufen, Kinder spielen und schreien – alles auf engem Raum und einfach das totale Chaos und Durcheinander. Ich liebe so etwas“, sagt Lilli und träumt von ihrer Heimat. Der Traum dauert aber nur Sekunden, dann rufen die ersten Kinder im Haus Afrika wieder „Lilli, Lilli, Lilli“!, und die 49-Jährige sieht nach dem Rechten und hilft wo sie nur kann.

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