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Letzte Nazi-Glocke im Saarland kommt ins Historische Museum Saar

Letzte Nazi-Glocke im Saarland : Hanweiler Hakenkreuz-Glocke kommt ins Museum

Wie geht man um mit den Glocken aus der NS-Zeit mit Hitler- und NS-Symbolik im Saargebiet? Die Glocke der evangelischen Gemeinde in Hanweiler ist für immer verstummt - und soll im Historischen Museum ausgestellt werden.

Jahrelang haben von protestantischen Kirchen im Saarland einst Glocken mit Hitler- und NS-Symbolik Gläubige zu Gottesdiensten, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen gerufen – im Turm der evangelischen Kirche Hanweiler ist 2018 eine der letzten verbliebenen Glocken mit Hakenkreuzen abgebaut worden und wohl für immer verstummt.

Als diskussionswürdiges, 300 Kilo schweres Kulturgut ist sie noch bis Ende Februar bei einer Ausstellung in der Saarbrücker Ludwigskirche zu sehen und wandert danach zurück ins Historische Museum Saar am Schloss. Dort plant Museumsdirektor Simon Matzerath eine Neukonzeption der laufenden Dauerausstellung zur NS-Vergangenheit „10 statt 1000 Jahre“ mit erstmaliger Aufarbeitung der Rolle der Kirchen damals.

„Erbe und Auftrag ?“– wie geht man um mit den Glocken aus der NS-Zeit im Saargebiet, als sich bei der Volksabstimmung 1935 mehr als 90 Prozent der Saar-Bewohner trotz oder wegen Hitler für die Rückgliederung ins Deutsche Reich entschieden? Dieser Frage ging am Mittwochabend in der Ludwigskirche ein Gesprächsabend der Evangelischen Kirche im Saarland in Kooperation mit dem Historischen Museum nach. Der ehemalige Küster der Kirche in Hanweiler meldete sich zu Wort. Er distanzierte sich zwar von den Gräueltaten der NS-Zeit, aber sein Herz hänge noch immer an der Glocke. Und die wäre seiner Ansicht nach besser im Dorf geblieben.

Der Kirchenhistoriker und Vorsitzende des Historischen Vereins für die Saargegend, Professor Joachim Conrad (Köllerbach), verwies in seinem Vortrag darauf, dass es neben Hanweiler auch in Homburg-Beeden, St. Ingbert-Rohrbach und Oberlinxweiler noch Glocken mit NS-Hintergrund gegeben habe. So zum Beispiel eine private Glocke mit der noch vor der Montage abgeschliffenen Aufschrift „Gott beschütze unseren Führer“ im Jagdhaus der St. Ingberter Brauerei Becker. Inzwischen seien manche dieser Glocken ein- oder umgeschmolzen. „Die einzige Hakenkreuz-Glocke im Saarland blieb zuletzt in der evangelischen Kirche in Hanweiler erhalten. Die Kirche soll nun möglicherweise ganz entweiht und beseitigt werden“, hieß es.

Im pfälzischen Herxheim hat dagegen der Gemeinderat beschlossen, die umstrittene Hitler-Glocke in der protestantischen Kirche hängen, wenn auch nicht mehr läuten zu lassen, erklärte Historiker Conrad. Sie trägt die Aufschrift: „Alles für‘s Vaterland/Adolf Hitler.“ „Das geht gar nicht“, war der übereinstimmende Tenor der Gesprächsrunde mit dem Leiter des Evangelischen Büros im Saarland, Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass man in Herxheim eine erklärende Tafel als „Stachel und Mahnmal“ zu der Glocke hinzufüge.

Und wie steht es mit Glocken der katholischen Kirche in der NS-Zeit? „Die katholische Kirche hatte Glück“, sagte Conrad: „Bei ihr gibt es nur Glocken zu biblischen Bezügen und zu Heiligen.“ Bei den Protestanten habe es dagegen auch Königs- und Bismarck-Glocken gegeben. Aber, so mahnte der Kirchenhistoriker: „Eine Glocke ist kein beliebiger Gegenstand. Sie ist christliche Verkündigung und darf nicht missbraucht werden.“ Auch in anderen Bundesländern sollen nun die letzten verbliebenen rund zwei Dutzend NS-Glocken größtenteils in Museen wandern.