Lehrergewerkschaft GEW: Lehrer in Hausaufgabenbetreuung falsch eingesetzt

Regulärer Unterricht statt Nachmittagsbetreuung : Lehrer zeigen Verständnis für Commerçon

Die GEW ist der Meinung, dass die Pädagogen in der Hausaufgabenbetreuung falsch eingesetzt sind.

Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) bekommt für seinen Plan, Lehrer aus der Nachmittagsbetreuung der freiwilligen Ganztagsschulen (FGTS) abzuziehen und sie stattdessen für den regulären Unterricht einzusetzen, Unterstützung von der Lehrergewerkschaft GEW. Lehrkräfte in den FGTS beaufsichtigten Kinder überwiegend bei ihren Hausaufgaben, sie dürften die Kinder bei den Hausaufgaben weder unterstützen noch zusätzlich unterrichten, da dies gegenüber den Vormittagskindern ungerecht wäre, erklärte die GEW-Landesvorsitzende Birgit Jenni. „Das ist eine teure Aufsicht und eine Verschwendung von Ressourcen, da diese Lehrkräfte dringend für den Unterricht benötigt werden.“ Ähnlich hatte sich bereits in der Vergangenheit der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) geäußert.

Commerçon sieht sich zu dem Schritt gezwungen, weil das CDU-geführte Finanzministerium ihm die geforderten 51 zusätzlichen Lehrerstellen nicht zuweisen will. GEW-Chefin Jenni unterstützt die Forderung des Bildungsministers nach zusätzlichen Lehrerstellen und wirft dem Finanzministerium eine Blockadehaltung vor. Angesichts der Lage an den Schulen müsse die Landesregierung endlich für eine angemessene Personalausstattung der Schulen sorgen, anstatt nur auf die schwarze Null zu schauen. „Absurde Rechenspiele zulasten der Kinder sind nicht nachvollziehbar“, kritisiert Jenni.

Auch die Landeselterninitiative für Bildung beklagt eine „falsche Prioritätensetzung bei knappem Geldbeutel“. Die Hausaufgabenbetreuung an FGTS könne statt von Lehrkräften mit Staatsexamen auch von anderem pädagogischem Personal übernommen werden.

Für die Linksfraktion stellt sich angesichts der andauernden Diskussionen um Lehrerstellen mittlerweile die Frage, ob die Landesregierung noch arbeitsfähig ist. „Es ist die Aufgabe des Ministerpräsidenten, dafür Sorge zu tragen, dass innerhalb der Koalition das Gegeneinander von CDU und SPD nicht konstruktive Regierungsarbeit von vorneherein verhindert“, sagte die Bildungsexpertin der Linken, Barbara Spaniol. Sie erneuerte ihre Forderung nach mehr Lehrern, Sozialarbeiter und Psychologen.

Harsche Kritik an Commerçon formulierte der Landeschef der Jungen Union, Alexander Zeyer: Die Reduzierung der Zahl der Lehrer in der Hausaufgabenbetreuung sei „ein Schlag ins Gesicht der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und des gesamten Lehrpersonals in diesem Schulmodell“. Es sei nicht nachvollziehbar, dass das freiwillige Ganztagsmodell gegenüber dem gebundenen Ganztag „durch radikale Maßnahmen“ geschwächt werde, zumal eine Mehrheit der Schüler im Ganztagsbereich in der FGTS betreut werde. Ähnlich hatte sich zuvor bereits die CDU geäußert. „Ein so billiges politisches Manöver zu Lasten der Betreuungsqualität in der FGTS zeigt, dass es dem Bildungsminister nicht um die Sache, sondern rein um die Durchsetzung seiner politischen Wunschvorstellungen geht, ohne Rücksicht auf Verluste“, sagte Zeyer.

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