Leere Läden in der Saarbrücker Innenstadt

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücken : Leere Läden in der Saarbrücker Innenstadt

Die Verwaltung versichert: Die Vermietungsquote in der 1-A-Lage von Europa-Galerie bis zum St. Johanner Markt liegt bei 93 Prozent.

Leere Schaufenster, verlassene Läden und Gastronomiebetriebe sind auch in der Saarbrücker City nichts Ungewöhnliches. Dazu gehören – seit dem Wegzug des Antiquariats Köhl – die vielen leergeräumten Schaufenster und Glasvitrinen in der kleinen Passage zwischen dem St. Johanner Markt und dem Zugang zur Basilika über die Katholisch-Kirch-Straße. In der Diskonto-Passage verdecken Fotowände die Frontscheiben von Läden, die seit Monaten verwaist sind. Die Fenster des leerstehenden Restaurants Ovid in der Kaltenbachstraße sind mit vergilbten Zeitungsseiten beklebt.

Manche Ladeninhaber und Gastronomen rund um den St. Johanner Markt beklagen gegenüber der SZ, dass dort rund ein Drittel weniger Kunden unterwegs seien. Immobilienunternehmer Michael Raber und der städtische Wirtschaftsförderer Sebastian Kurth sehen das aus unterschiedlichen Blickwinkeln ganz anders.

So verweist Raber darauf, dass laut dem täglich aktualisierten Kundenfrequenz-Portal hystreet.com die Saar-Metropole Saarbrücken mit der Bahnhofstraße immerhin auf Platz 33 der Passantenströme von mehreren hundert deutschen Städten liege. Und er sagt: „Gäbe es das Krebsgeschwulst Europa-Galerie nicht, gäbe es keinen einzigen Leerstand in der City.“

Zu den leeren Läden in der Diskonto-Passage, die er bis 2016 rund 20 Jahre lang selbst betreut habe, erläutert Raber, der Komplex gehöre der Bayerischen Versorgungskammer (BVK) und solle verkauft werden, jetzt sei die Situation „quasi eingefroren“.

Laut Wirtschaftsförderer Kurth und Stadt-Pressesprecher Thomas Blug will Saarbrücken im Konzert der Einkaufszentren der Region weiterhin den Ton angeben – und zwar mit einer derzeit in Überarbeitung befindlichen Entwicklungsplanung, mit neuen öffentlichen und privaten Investitionen sowie mit einer angestrebten höheren Einwohner- und Touristenzahl.

Ab 5. Dezember werde die Aldi-Filiale im umgestalteten Hause Karstadt ebenso für neue Belebung sorgen wie die Weihnachts-Illumination mit Show vor der Europa-Galerie ab dem 9. Dezember. Kurth nimmt die Europa-Galerie gegen Angriffe in Schutz: „Die Galerie feiert 2020 schon ihr zehnjähriges Jubiläum.“

Nach Angaben von Kurth kann sich die Vermietungsquote der Geschäfte und Läden in Saarbrückens 1-A-Lage Europa-Galerie-Bahnhofstraße bis St. Johanner Markt mit 93 Prozent bundesweit sehen lassen. Zudem rangiere man samstags mit der City-Kundenfrequenz laut einer Studie von Engel & Völkers sogar unter den Top 10 der Großstädte in Deutschland. Zu den angeblich zu hohen Laden-Mieten sagt er: „In der 1-A-Lage bewegen wird uns im Bereich 70 bis 80 Euro pro Quadratmeter, sonst sind bereits Anmietungen im niedrigen zweistelligen Euro-Bereich möglich.“

Dennoch gibt es auch Beschwerden, wonach Ladeninhaber oder Gastronomen 5000 Euro Monatsmiete und mehr für 50 Quadratmeter bezahlen sollen, was ihnen aber nicht möglich ist.

Jan Grolier von der Handwerkskammer Saar betont: „Auch das Handwerk gehört auf den St. Johanner Markt.“ Mit vielen anderen ist sich Grolier einig, dass hohe Park- und ÖPNV-Gebühren viele Menschen davon abhalten, die Saarbrücker City zu besuchen – und dass die Stadt nicht gut daran getan habe, die Steuerung der Parkgebühren aus der Hand zu geben.

Für den Chef der Saarbrücker Traditionskneipe St. J, Jochen Graeser, leidet die City im Wesentlichen unter drei großen Dingen: „Die Universität, Kongresse und Messen – alles ist außerhalb der Innenstadt. Zweites Problem ist ganz klar der wachsende Online-Handel, und drittes Problem ist, dass die Leute weniger Geld in der Tasche haben und das Saarland ein armes Land ist.“

In der verödeten Ladenpassage des ehemaligen Antiquariats Köhl ist nur ein kleiner hipper deutsch-italienisch geführter Friseursalon geblieben. Die anderen leerstehenden Läden sind meist als Lagerräume für Seifenprodukte und anderes vermietet, was auch Immobilienmakler Raber als einer der Haupteigner bestätigt. Ein Sicherheitsrisiko in der Passage sieht er nicht. Abends und an Wochenenden seien hier ja ebenso wie vor den Eingängen zur Diskonto-Passage Sperrgitter heruntergelassen.

Auch am Ausgang der Passage stehen die Läden leer. Foto: BeckerBredel

Und trotz der Klagen über diese und jene Misere gibt es rund um den Markt auch den einen oder anderen Hoffnungsschimmer: Der Saarbrücker Thomas Beigott ist nach dem auch für ihn überraschenden Thomas-Cook-Desaster mit seinem Reisebüro in einen neuen Laden am St. Johanner Markt 22 eingezogen und hat gegenüber zudem  gerade noch einen neuen Laden für E-Zigaretten eröffnet. Bei dem von der Eisenbahnstraße an den St. Johanner Markt gezogenen Barfußschuh-Händler Leguano heißt es, hier am Markt liefen die Geschäfte jetzt besser. Und top zufrieden zeigt sich die erst vor sieben Monaten von Zweibrücken mit ihrer Damenboutique Bruni‘s an den St. Johanner Markt gekommene Bruni Bastian. Das freut auch Wirtschaftsförderer Kurth: „Der St. Johanner Markt wird auch in Zukunft die gute Stube Saarbrückens bleiben.“

Mehr von Saarbrücker Zeitung