Landau will aus Klimaschutzgründen keine Weihnachtsbäume aufstellen

Kostenpflichtiger Inhalt: Stadt Landau will auf Weihnachtsbäume verzichten : Keine Christbäume – für den Klimaschutz?

Die Stadt Landau will jetzt aus Klimaschutz-Gründen auf Weihnachtsbäume verzichten. Saar-Kommunen folgen dem nicht, aber St. Ingbert hat eine ganz andere Idee.

Er gehört zu Weihnachten wie Plätzchen und Christkind: ein festlich geschmückter Tannenbaum. Den werden sich die Bürger Landaus auch weiterhin in den eigenen vier Wänden aufstellen dürfen, aber auf öffentlichen Plätzen wird der weihnachtliche Flair dieses Jahr sehr überschaubar sein. Wie der Handelsverband „Aktive Unternehmer für Landau“ (Aku) am Dienstag mitteilte, werden aus Gründen des Klimaschutzes 100 Tannenbäume, die sonst die Stadt zur Weihnachtszeit schmücken, ersatzlos gestrichen.

Diese Entscheidung traf der Unternehmerverein mit der Stadtverwaltung. Sie löste ein breites, überregionales Medienecho aus – mit überwiegend negativen Tenor. Inzwischen ist Aku-Vorsitzender Heinz Bauer etwas zurückgerudert: Ganz soll demnach doch nicht auf Bäume verzichtet werden.

Im Saarland droht indes keine Nachahmungsgefahr. Das ergab eine SZ-Recherche bei den größeren saarländischen Kommunen. So teilte ein Sprecher der Stadt Saarbrücken mit, dass nicht geplant sei, die Zahl der Weihnachtsbäume in Saarbrücken zu kürzen. „Wir sehen darin keinen Beitrag zum Klimaschutz“, sagte er. Wie auch in den letzten Jahren sollen in Saarbrücken 23 Weihnachtsbäume die Straßen schmücken. Auch in Saarlouis möchte man zumindest die Bäume, die in die Verantwortung der Stadt fallen, genauso aufstellen wie jedes Jahr.

St. Ingbert und St. Wendel geben an, auf ihre Weise einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten. Der Vorsitzende des Vereins für Handel und Gewerbe St. Ingbert, Nico Ganster, erklärt: „Die Bürger können uns Bäume spenden, die bei ihnen im Garten stehen und die sie sowieso fällen wollen.“ Vorteilhaft für beide Parteien: Der Besitzer des Baumes spart die Kosten für das Fällen und die Stadt dementsprechend die Anschaffungskosten für den Baum. Ganz ähnlich werde es bei dem großen Baum vor der Basilika auch in St. Wendel gehalten, teilt Pressesprecher Volker Schmidt mit. Die vielen kleineren Bäumchen, die auf dem Weihnachtsmarkt als Begrenzung zwischen den Ständen dienen, stammten aus stadteigener Zucht.

Der Vorsitzende des Grünen-Landesverbands, der saarländische Bundestagsabgeordnete Markus Tressel, ist über die Maßnahme der Landauer nicht glücklich. „Die extrem wichtige Klimadiskussion wird hier auf die Weihnachtsbäume von Landau reduziert. Es gibt andere Systemfragen, die geklärt werden müssen, was beispielsweise die Stromerzeugung und den Verkehr angeht. Da liegen die großen Herausforderungen.“ Er sieht mit Sorge, dass die Klimadebatte durch solche Themen „banalisiert“ werde. „Die Weihnachtsbäume von Landau werden nicht das Klima retten, die großen Systemfragen aber schon.“

Landau war die erste Stadt in Rheinland-Pfalz, die den „Klimanotstand“ ausrief. Dieser Erklärung, der inzwischen dutzende Gemeinden in Deutschland gefolgt sind, soll unterstreichen, wie wichtig ein entschlossenes Handeln der Politik gegen die Klimakrise ist. Inwiefern ein Verzicht auf Weihnachtsbäume einen Beitrag dazu leistet, erscheint auf den ersten Blick undurchsichtig – schließlich wird jeder gefällte Tannenbaum wieder ersetzt. Bei genauerer Betrachtung stellen die riesigen Flächen, die durch die Weihnachtsbaum-Zucht beansprucht werden, das eigentliche Problem dar. Laut Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) werden in Deutschland etwa 30 000 bis 50 000 Hektar mit Weihnachtsbäumen bepflanzt. Auf dieser Fläche kann folglich kein langfristig sprießender Wald wachsen, der ein großer CO2-Speicher ist. Trotzdem stellt Tressel auch hier klar: „Wir haben genug Flächen, die man stattdessen aufforsten könnte.“ Was das Klima angeht, seien „Weihnachtsbäume allenfalls ein Randaspekt.“

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