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ein etwas anderer Automat
Kunst statt Zigaretten: Für vier Euro gibt’s ein Unikat

Ware mit „Warnhinweis“: die Kunst aus dem Automaten.
Ware mit „Warnhinweis“: die Kunst aus dem Automaten.
Saarbrücken. Saarbrücken bekommt seinen ersten Kunstautomaten. Dort kann man sich einzigartige Kunstwerke zum kleinen Preis ziehen. Von Nicole Baronsky-Ottmann

Eigentlich gibt es eher immer weniger Zigarettenautomaten in der Öffentlichkeit. Umso verwunderlicher, dass gerade in der Saarbrücker Feldmannstraße, in Höhe der Hausnummer 144, einer aufgehängt wurde. Das ganz Besondere an diesem Automaten ist jedoch, dass man sich dort keine Zigaretten, sondern kleine Kunstwerke ziehen kann. Und das für nur vier Euro.


Der Automat hängt seit letzter Woche vor der kleinen Kunstgalerie „Sali E Tabacchi“ und wird am Sonntag, 26. August, um 17 Uhr eingeweiht. „Die Idee des Kunstautomaten stammt von Lars Kaiser aus Potsdam. Er hat in Berlin bereits 2001 seinen ersten Automaten aufgestellt. Inzwischen gibt es über 160 in ganz Deutschland“, sagt Albert Herbig, Galerist von „Sali E Tabacchi“ und Initiator des ersten saarländischen Kunstautomaten.

Albert Herbig kennt das Projekt schon länger. Da er an der Hochschule Kaiserslautern unterrichtet, ist er mit der Kunstszene der Stadt gut bekannt. Und dort wurde der erste Kunstautomat bereits vor zwei Jahren eingeweiht. Eigentlich wollte er den ersten saarländischen Automaten in der Innenstadt anbringen lassen. Da aber die Vermieterin der kleinen Galerie sofort mitgemacht hat und man an der Hauswand der Galerie sogar noch die Löcher eines früheren Zigarettenautomaten fand, wurde der Kunstautomat kurzum in der Feldmannstraße aufgehängt. „In der Praxis funktioniert das so: Der Interessent wirft vier Euro in den Automaten und wählt wie bei Zigaretten zwischen verschiedenen Möglichkeiten aus. So kann er Werke von „Regionalen Künstlern“, „Nationalen Künstlern“ und „Internationalen Künstlern“ ziehen“, erklärt Albert Herbig. „Dazu gibt es auch Werke zu Themen, in diesem Jahr zum Karl Marx Jahr“.



Für vier Euro erhält man anstatt einer Schachtel Zigaretten eine Schachtel mit einem kleinen Kunstwerk. Was man bekommt, ist jedes Mal eine Überraschung. Das kann ein gefalteter Druck sein, eine winzige Skulptur oder auch eine SD-Karte mit Klangkunst. „Wie bei einer Zigarettenpackung sind auch die Schachteln gestaltet, von Markus Jungen. So steht zum Beispiel auch schon mal drauf, „Kunst kann süchtig machen“, erläutert Albert Herbig und lacht.

Die saarländischen Künstler, die bisher mitmachen, sind Vera Kattler, Klaus Harth und Albert Herbig. Der Automat bietet Menschen, die nicht in Gallerien gehen, ein niedrigschwelliges Kunst-Angebot. Und für wenig betuchte Kunst-Sammler sind sie ein Eldorado. „Tatsächlich gibt es im Internet auch schon eine Tauschgruppe und man kann sogar Rahmen für die kleinen Kunstwerke kaufen“, erzählt der Galerist und Künstler. Außerdem werden die Automaten regelmäßig nachgefüllt und gewartet, wie Zigarettenautomaten auch.

Albert Herbig ist optimistisch, dass auch der erste saarländische Kunstautomat gut angenommen wird. Und dazu scheint er auch allen Grund zu haben, denn als der Automat befestigt wurde, kam zufällig eine Joggerin des Weges, die sich hocherfreut zeigte, nun nicht mehr zum Kunstautomaten nach Kaiserslautern fahren zu müssen.

Der Kunstautomat wird am Sonntag, 26. August, um 17 Uhr in der Feldmannstraße 144 in Saarbrücken vor der Galerie „Sali E Tabacchi“ eingeweiht.

Der Kunstautomat hängt vor der Galerie „Sali e Tabacchi“.
Der Kunstautomat hängt vor der Galerie „Sali e Tabacchi“.