Künstliche Intelligenz ist im Alltag manchmal ein bisschen dumm

Kolumne : Die vorsichtigen Maschinen

Ganz automatisch funktioniere diese oder jene Alltags-Aktion, versprechen die Hersteller moderner technischer Geräte. Aber was sich so alles „künstliche Intelligenz“ nennt, ist manchmal nur sehr in Grenzen schlau.

Rotes Licht. Der Kaffeeautomat streikt. „Wasserbehälter auffüllen“, steht im Display. Dabei hätte der Vorrat, der noch drin ist, locker gereicht für den Espresso, den ich gerade fabrizieren möchte, auch für zwei oder drei oder vier. Aber keine Chance, die Maschine hat zwar Unrecht, aber sie lässt sich nicht überzeugen. Sie ist offenbar so programmiert, dass sie nie trockenlaufen kann – ich muss mich der technischen Übervorsicht fügen und den Tank unter den Wasserhahn halten, wenn ich zu meinem kleinen Schwarzen kommen will.

Kaffee kochen kann das neue Auto nicht. Aber sonst kann es alles Mögliche. Diverse „Assistenten“ bieten mir Unterstützung an. „Park-Pilot“ heißt einer davon – der inoffizielle Name „Tut-tut“, den wir ihm vor Jahren verpasst haben, trifft’s präziser: Er piepst, wenn das Auto sich langsam Gegenständen nähert. Nervt, brauche ich nicht, hatte ich beim Vorgängerauto entschieden. Dieses Mal habe ich’s mir anders überlegt. Und nun hat der blöde Spruch „Fahren nach Gehör“ ganz neue Bedeutung bekommen: Die Tuuut-Geräusche auf dem engen Weg zur Garage sind eine Pracht. Auch dann noch, wenn ich Wand, Kletterrosen und spitze Mauerecke längst passiert habe – Vorsicht satt ist eingebaut.

Einen Assistenten, der selbstständig in Parklücken fährt, gibt’s auch; er dreht das Lenkrad, ich muss nur noch Gas geben und bremsen. Toll. Leider braucht er zum Funktionieren je 80 Zentimeter Luft vor und hinter dem Auto – wo an europäischen Straßen finden sich solche Parklücken? Und wofür hatte ich bloß mal Fahrstunden?

Nun gut, es schadet nichts, wenn Maschinen sich vorsichtig aufführen. Das Leben ist lebensgefährlich genug, und Risiko-Abwägung ist Menschensache. Darauf noch einen Espresso, zur Steigerung der Risikofreude – denkste, rotes Licht: „Satzbehälter leeren“. Donnerwetter, das habe ich doch erst heute Morgen erledigt, die Maschine hat Unrecht! Aber sie beharrt, ich muss ran. Maschinen-Intelligenz trägt irgendwie dumme Züge.