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Kritische Stimmen zu Corona-Schutz in Seniorenheimen

Corona-Schutz in Seniorenheimen : Kritische Stimmen sind nicht verstummt

Kritik bleibt aber gerne aus, wenn nicht sicher ist, ob es Ärger mit dem einflussreichen Kritisierten gibt.

Mit etlichen Seniorenheim-Leitungen und -Mitarbeitern haben wir – siehe oben – über Corona und die Bedingungen in den Häusern gesprochen. Nicht alle Befragten wollten –  teils grundsätzlich, teils zu bestimmten Fragen – ihren Namen in der Zeitung sehen: „Wenn wir kritische Anmerkungen haben, dann sind die Kritisierten ja genau die, unter deren Aufsicht wir stehen“, erklärt einer und meint Gesundheitsamt, Heimaufsicht und letztlich auch Landesregierung und Gesetzgeber.

Auch das derzeit viel zitierte Robert-Koch-Institut (RKI) kommt nicht immer gut weg: Man werde mit  ständig neuen oder ergänzten Richtlinien – auch von anderen Stellen – überhäuft, die in der Praxis auch keineswegs alle umsetzbar seien.

Ein weiterer Kritikpunkt: In der Anfangsphase habe man teils auf handgemachte Schutzmasken zurückgreifen müssen – warum konnte das nicht, durch Behörden, besser organisiert werden? Ein anderer Kritikpunkt betrifft das Testen der Mitarbeiter: „Warum können Seniorenheim-Mitarbeiter nicht in Gruppen und mit weniger bürokratischem Aufwand getestet werden?“ – Jede einzelne braucht von einem Hausarzt eine Überweisung und muss dann zum Testen. Selbst wenn dazu Hausärzte in die Einrichtungen kommen, ist das umständlich und langwierig.

Es gebe – bei allem Engagement der Mitarbeiter – auch Fälle, in  denen Pflegekräfte, die zuvor nur Zeitverträge hatten, abgesprungen seien. (Dahinter steht dann das Thema der angemessenen Würdigung von Arbeitskräften.) Und nicht überall sei jeder Mitarbeiter richtig geschult worden, bevor er bei Covid-19-Patienten eingesetzt wurde.

Zum Thema Arbeitsbelastung gab es folgende Kommentare: „Für mich waren das bisher die krassesten Wochen meines Berufslebens.“ „Mein Chef kann kaum noch geradeaus schauen.“ Die bisher genannten Fallzahlen, so ein weiterer Kritikpunkt, seien wegen der hohen Dunkelziffer zu gering angegeben. Und einerseits solle man nicht mit dem Finger auf andere zeigen, denn die Situation sei für jeden neu, da laufe dann auch mal was falsch. Andererseits hätte man erwarten dürfen, dass von Behördenseite schneller dazugelernt werde, etwa schneller umfassend in Seniorenheimen getestet wird. Der Weg im Saarland sei wohl doch nicht immer so kurz, wie gerne behauptet wird.