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Eltern sind verärgert
Heftige Kritik an Kitas der Lebenshilfe

 Fünf befristete Stellen sind in den Lebenshilfe-Kitas in Saarbrücken derzeit offen. Sie sollen aber zügig besetzt werden.
Fünf befristete Stellen sind in den Lebenshilfe-Kitas in Saarbrücken derzeit offen. Sie sollen aber zügig besetzt werden. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Saarbrücken. Eltern erheben schwere Vorwürfe von Personalnot bis überbordende Gebührenerhöhungen. Die Lebenshilfe kontert. Von Markus Saeftel

Einerseits zu wenig Personal, andererseits eine Gebührenerhöhung für die Eltern bei fast allen Kita-Plätzen von rund 15 Prozent im August 2018 und eine weitere in gleicher Höhe bei den Kindergartenplätzen, die für 1. April angekündigt ist: Das wird in einem kritischen Bericht über die Zustände in den Kitas der Lebenshilfe Saarbrücken angeprangert, der der SZ vorliegt. Die Lebenshilfe hat drei Kindertagesstätten in Saarbrücken: eine auf dem Eschberg, eine im Alten Stadtbad und eine in Malstatt.


Die weitere Kritik: Die Geschäftsführung soll einen Sparkurs verordnet haben. Eltern seien aufgefordert worden, die kleinsten Dinge für den Kita-Alltag selbst zu kaufen, zum Beispiel Filzstifte. In der Malstatter Kita hätten sich die Kinder wochenlang mit kaltem Wasser die Hände waschen müssen. Die Personalnot sei sehr groß. „Zeitweise wurden wir aufgerufen, dass wir die Kinder möglichst zu Hause lassen sollen, weil nur eine Notgruppe mit 18 Kindern auf ist“, heißt es in dem Schreiben von Eltern an die SZ weiter. Das habe die Kita auf dem Eschberg vom 26. bis 30. November 2018 betroffen. Eltern seien sogar aufgefordert worden, aktiv am Kita-Alltag teilzunehmen und „Zeit zu schenken“.

Was sagt die Lebenshilfe zu den schweren Vorwürfen? Geschäftsführer Thomas Trenz und Vorstandsmitglied Uschi Biedenkopf bestätigen die Gebührenerhöhung 2018 und auch, dass eine weitere im April geplant ist. Die Lebenshilfe habe es in den vergangenen Jahren versäumt, die gesetzlich möglichen 25 Prozent der Personalkosten in den Kitas von den Eltern zu verlangen. Das habe zu finanziellen Problemen geführt, sagt Biedenkopf. Aber auch nach der zweiten Gebührenerhöhung liege die Lebenshilfe immer noch in den drei Kitas unter der 25-Prozent-Marke. Ab April kostet der Krippenplatz die Eltern zwischen 340 und 353 Euro pro Monat, beim Kindergartenplatz sind es zwischen 218,50 und 245 Euro.



Allerdings entlastet die Stadt Saarbrücken die Lebenshilfe wie alle „freien Träger“ bei den Kosten: Nach Angaben von Pressesprecher Thomas Blug übernimmt die Stadt den zehnprozentigen Anteil der „freien Träger“ an den Personalkosten bei neu geschaffenen Krippenplätzen. Das gelte seit dem Start des Krippenausbaus. Der begann vor dem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz, der seit August 2013 gilt. Die Kita der Lebenshilfe im ehemaligen Stadtbad mit Kindergarten- und Krippenplätzen startete 2014. Trotz dieser Entlastung kam 2018 die Gebührenerhöhung. Zum 1. April steigen in der Stadtbad-Kita die Gebühren im Krippenbereich der Lebenshilfe am stärksten, von 334 auf 353 Euro. Das geht aus der Gebührentabelle der Lebenshilfe hervor.

Biedenkopf bestätigt den Unmut der Eltern.Sie sagt: „Wir haben die Kommunikation mit den Eltern vernachlässigt.“ Das werde sich ändern. Zu den Personalengpässen erklärt Geschäftsführer Trenz, 2018, als die Krankheitswelle so heftig war, habe sich das gesamte Kita-Team auf dem Eschberg krankgemeldet. Das habe zu Problemen bei der Betreuung geführt. Auf dem Eschberg sind es sonst 2,6 Stellen pro Gruppe, in Malstatt 2,9 Stellen und im ehemaligen Stadtbad 2,5 Stellen pro Gruppe. In einer schriftlichen Stellungnahme schreibt Trenz: „Wir können nicht ausschließen, dass tagesbezogen Gruppen nicht geöffnet werden können.“

Dazu kommt: Wenn Erzieherinnen schwanger werden, gelte für sie sofort Berufsverbot. Die Ersatzstellen würden von der Lebenshilfe befristet ausgeschrieben, doch es entstehe erst mal eine Lücke, sagt Trenz. Es sei auch schwierig, geeignetes Personal zu finden, der Markt sei leergefegt. Derzeit seien fünf befristete Stellen nicht besetzt, aber ausgeschrieben. In den nächsten Wochen werde es Vorstellungsgespräche geben. Die Stellen sollen zügig besetzt werden. Trenz im Hinblick auf die Kritik: „Es ist einiges Vertrauen verloren gegangen, das müssen wir jetzt zurückgewinnen.“