Kriminalhauptkommissar Marc Schmitt jagt Internet-Verbrecher

Kostenpflichtiger Inhalt: Saarbrücken : Auf der Jagd nach Internet-Verbrechern

Der 46-jährige Saarbrücker Marc Schmitt ist Kriminalhauptkommissar und Spezialist für Computerkriminalität.

Eine neue E-Mail ist im Postfach. Mit Freuden stellt man fest, dass die Nachricht von einem guten Freund oder einem Familienmitglied ist. Man muss nur noch den mitgesendeten Link anklicken, und schon sieht man ein Foto des Freundes und die ganze Nachricht. Doch nach dem Klick geht plötzlich gar nichts mehr. Der Computer scheint zu spinnen.

„Das ist ein Klassiker. Genau so verschaffen sich Internetkriminelle Zugang zu privaten Computern, können Daten auslesen oder den gesamten Computer lahmlegen“, sagt Marc Schmitt. Der 46-Jährige ist Kriminalhauptkommissar und Spezialist für Computerkriminalität.

Doch woher wissen die Internet-Gangster, wer meine Freunde oder Familienmitglieder sind? „Viele Menschen haben immer noch keine Vorstellung davon, wie gläsern das Internet ist. Fotos von sich und von Freunden haben ganz viele irgendwo im Netz veröffentlicht. Darüber und über andere privaten Informationen gelangen die Täter auch schnell an die E-Mail-Adresse“, erklärt Marc Schmitt.

Der Saarbrücker ist seit 1993 bei der Polizei, hat sich schon immer für Computer interessiert und die gesamte Entwicklung des Internets miterlebt. Als 2013 in Saarbrücken die erste Fachdienststelle der Polizei für Cybercrime gegründet wurde, hat sich der 46-Jährige beworben und wurde aufgrund seiner exzellenten Fähigkeiten und Erfahrungen genommen.

„Es geht in so gut wie allen Fällen ums Geld. Die Täter schreiben die Opfer direkt an und geben sich zum Beispiel als beliebige Personen aus, die für Geld den angefallenen Schaden wieder reparieren, oder haben andere kriminelle Ideen“, sagt der Kriminalhauptkommissar.

Selbst die Deutsche Bahn wurde schon Opfer der Computerkriminalität. Kriminelle boten auf einer professionell erstellten Internetseite, die genauso aussah wie die der Bahn, Tickets zu extrem günstigen Preisen an. Viele Kunden fielen darauf herein. Das Ganze war sogar so professionell, dass selbst die Schaffner die falschen Tickets nicht von echten unterscheiden konnten. Doch der ganze Schwindel fiel aufgrund der starken Arbeit der Cypercrime-Polizei dennoch auf.

„Wie bei allem muss man auch bei der Internetkriminalität zwischen absoluten Experten und Anfängern unterscheiden. Anfänger machen Fehler und hinterlassen selber viele Spuren im Internet, durch die sie überführt werden können. Die richtigen Profis sind dagegen sehr schwer zu fassen. Aber irgendwann machen alle Fehler, und dann können wir zuschlagen“, erklärt der Familienvater, der sich in seiner Freizeit mit Ausdauerläufen die nötige Fitness holt, um den Verbrechern im Internet nachzustellen.

Grundsätzlich rät er: „Bei dem Verdacht auf Internetkriminalität sollte man sich sofort bei der Polizei melden. Je schneller, desto besser. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Spuren können online verschwinden“, erklärt der 46-Jährige.

Außerdem sollte man immer eine gute Portion Misstrauen haben, wenn man plötzlich eine E-Mail von Freunden bekommt, die man eigentlich nicht erwartet hat oder wenn einem im Internet teure Produkte zu sehr günstigen Preisen angeboten werden.

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