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Überstunden für die ehrenamtlichen Kollegen
Die Feuerwehr im Ausnahmezustand

 Die Freiwillige Feuerwehr übernimmt auch regulär viele Aufgaben im Regionalverband. Das Foto zeigt sie beim Einsatz bei einem Großbrand im Saarbrücker Weyerbachtal im Juli 2006.
Die Freiwillige Feuerwehr übernimmt auch regulär viele Aufgaben im Regionalverband. Das Foto zeigt sie beim Einsatz bei einem Großbrand im Saarbrücker Weyerbachtal im Juli 2006. FOTO: Rafael Mailänder
Regionalverband. Aufgrund zahlreicher Krankmeldungen kann die Berufsfeuerwehr nicht alle Gebiete in Saarbrücken abdecken. Die freiwilligen Kollegen müssen hier und da einspringen. Von David Seel

Kurz nachdem bekannt wurde, dass Josef Schun, der geschasste Chef der Saarbrücker Berufsfeuerwehr, wieder an seinen alten Posten zurückkehren darf, häuften sich die Krankmeldungen in der Belegschaft (wir berichteten). Von den rund 200 Mitarbeitern meldeten sich 90 krank. Die verbliebenen können die Alarmbereitschaft nicht aufrechterhalten, daher muss derzeit die Freiwillige Feuerwehr einspringen.


Außerhalb Saarbrückens sei die Situation allerdings nur in der Nacht von Donnerstag auf Freitag wirklich angespannt gewesen, berichtet Tony Bender, Brandinspekteur im Regionalverband. Wegen des Krankenstands war die Alarmierungszentrale in der Saarbrücker „Feuerwache I“, die normalerweise für den Regionalverband zuständig ist, ab Donnerstag nicht mehr einsatzfähig. Erst am Freitagmorgen übernahm die Leitstelle auf dem Winterberg. „Von Donnerstag 19:30 Uhr bis Freitag 5:30 Uhr hat die Freiwillige Feuerwehr die Bereitschaft übernommen“, sagt Bender.

Dazu seien alle Löschbezirke mit insgesamt rund 260 Menschen besetzt gewesen, rund 30 davon in Saarbrücken. Das habe ausgereicht, um jederzeit die benötigten 18 Feuerwehrleute pro Löschbezirk zur Verfügung zu stellen. „Das ist die Zahl, die wir brauchen, um in acht Minuten bei einem kritischen Wohnungsbrand einsatzbereit zu sein“, erklärt der Brandinspekteur. „Das hätten wir überall geschafft.“



Die Nacht sei allerdings ruhig verlaufen, sagt Bender. Im Verlauf des Tages sei die Freiwillige Feuerwehr dann zu drei Einsätzen gerufen worden, die normalerweise von der Berufsfeuerwehr übernommen worden wären – zwei in Völklingen und einer in Sulzbach. Bei der Wohnungsexplosion am Freitagabend in Ormesheim sei zwar die Freiwillige Feuerwehr Ensheim ausgerückt. „Das hätten die aber sowieso gemacht, weil sie dort vor Ort sind“, erläutert Bender.

In Saarbrücken blieb die Lage auch am Wochenende angespannt, auch wenn die „Feuerwache I“ der Saarbrücker Berufsfeuerwehr laut Patrick Topp, Sachgebietsleiter der Haupteinsatzzentrale der Landeshauptstadt, seit Freitagabend wieder einsatzbereit ist. Aufgrund der vielen Krankmeldungen bleibe die „Feuerwache II“ aber weiterhin geschlossen. Am Samstag waren Topp zufolge 32 freiwillige Feuerwehrleute und 18 Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr in Saarbrücken im Dienst, am Sonntag jeweils 17 aus beiden Lagern. Insgesamt sei die Freiwillige Feuerwehr am Wochenende zu sieben Einsätzen, die Berufsfeuerwehr zu acht Einsätzen ausgerückt. „In der ‚Feuerwache I’ sind aktuell sechs, in der ‚Feuerwache II’ 12 Positionen unbesetzt“, sagt Topp. Die Rettungsdienste seien aber durchgehend einsatzbereit gewesen.