Saarbrücker Christkindlmarkt Der fliegende Weihnachtsmann – langweilig, kleinstädtisch, armselig

Meinung | Saarbrücken · Der fliegende Weihnachtsmann wird als Höhepunkt des Saarbrücker Christkindlmarktes bezeichnet. SZ-Redakteur Adrian Froschauer kann die Begeisterung so gar nicht nachvollziehen.

Kommentar: Fliegender Weihnachtsmann in Saarbrücken – langweilig, armselig​ und kleinstädtisch
Foto: BeckerBredel

Unterwältigend – das Wort gibt es zwar nicht wirklich, aber es ist das erste, das mir einfällt, wenn ich an den fliegenden Weihnachtsmann auf dem Saarbrücker Christkindlmarkt denke. Er ist die sogenannte Attraktion zur Adventszeit in Saarbrücken schlechthin. Für „strahlende Kinderaugen“ sorgt sein Anblick laut Webseite der Stadt.

Ihn nicht zu sehen, ist wirklich kein Verlust

Ich bin ihm nicht bewusst aus dem Weg gegangen, aber irgendwie habe ich die letzten 20 Jahre mit regelmäßigen Besuchen auf dem Saarbrücker Weihnachtsmarkt verbracht, ohne auch nur ein einziges Mal den Schlitten über den St. Johanner Markt fliegen zu sehen. Kein Verlust, wie ich jetzt weiß.

Denn dieses Jahr – endlich! – laufe ich zufälligerweise vorbei, als Weihnachtsmann und Christkind gerade zum Abflug ansetzen. An diesem Tag sind sie früher dran als gewöhnlich, denn es ist „Kindermittwoch“, wie ich später erfahre. Um mich versammelt stehen etwa ein Dutzend Erwachsene und zwei oder drei Kinder.

Weihnachtsmarkt in Saarbrücken: Fotos vom Christkindlmarkt
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So war der erste Abend auf dem Saarbrücker Christkindl-Markt

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Foto: BeckerBredel

Tapfere Darsteller, trauriges Schauspiel

Die Darsteller im Plastikmonstrum in etwa 35 Metern Höhe winken freundlich zum Publikum hinab; niemand reagiert, nicht mal die spärlich gesäten Kinder. (An dieser Stelle sei gesagt: Für die Darsteller, die das traurige Schauspiel bei diesem Wetter jeden Tag zwei- bis dreimal tapfer mitmachen, empfinde ich Respekt!)

Aus den Lautsprechern erklingt ein blechernes Weihnachtsmärchen, dann geht die wilde Fahrt los. Der Schlitten tuckert betulich über das Drahtseil und bleibt auf halber Strecke stehen. Ich mache mir schon Hoffnung: Ist dem Schlitten etwa der Sprit ausgegangen, und hier wiederholt sich das Spektakel vom letzten Jahr – das interessanteste, das der fliegende Weihnachtsmann je zu bieten hatte?

Weihnachtsmarkt in Saarbrücken: Fotos vom Christkindlmarkt
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So war der erste Abend auf dem Saarbrücker Christkindl-Markt

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Foto: BeckerBredel

Aber nein: Der Zwischenhalt ist geplant. Sonst wäre die Fahrt schon vorbei, bevor der Weihnachtsmann alle Rentiere aufzählen, geschweige denn die Geschichte von Rudolf erzählen konnte.

Der fliegende Weihnachtsmann: langweilig, kleinstädtisch, armselig

Das war’s? Das ist die große Attraktion des Saarbrücker Weihnachtsmarktes? Das ist vielleicht nach zwei bis zwölf Tassen Glühwein unterhaltsam oder schön. Erfreut sich wirklich irgendjemand daran? Vielleicht bin ich ja alt und zynisch und ohne jede kindliche Begeisterung. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ich als Kind dem fliegenden Weihnachtsmann mit etwas anderem als Gleichgültigkeit begegnet wäre.

Wenn dies das absolute Highlight ist, ist das ein Armutszeugnis für den Saarbrücker Weihnachtsmarkt. Man muss ja nicht gleich den fliegenden Weihnachtsmann einpacken (auch wenn ich ihn gewiss nicht vermissen würde). Aber man muss ihn nicht so hoch handeln. Dass er in Werbung und Medien als Höhepunkt des Christkindlmarktes bezeichnet wird, sendet nur das Signal: langweilig, kleinstädtisch, armselig.

Ja, ich weiß: Ich habe den Weihnachtsmann nur nachmittags fliegen gesehen – abends gibt es noch Lichterketten und Feuerwerk. Aber eine derart egale Attraktion wird nur unwesentlich unterhaltsamer, wenn sie blinkt.

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