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Gastronomie am St. Johanner Markt: Zwei starke Typen und wieder kein Weltuntergang

Gastronomie am St. Johanner Markt : Zwei starke Typen und wieder kein Weltuntergang

Jürgen Petry und Micha Weber sind Wirte, wie sie eine Stadt braucht. Beide haben Saarbrücker Gastronomie-Geschichte geschrieben. Beide sind nun 70.

Dass ich dass hier noch schreibe und Sie es noch lesen, deutet darauf hin, dass wir mal wieder Glück hatten am 30. Mai. Für diesen Tag hatte das Gasthaus Zahm am St. Johanner Markt nämlich zum „Weltuntergang in netter Gesellschaft“ eingeladen. Peter Ruppel machte die Musik dazu. Unter anderem schmetterten er und zumindest ein Teil der Gäste jenes Lied aus dem Jahr 1954, das ankündigt: „Am 30. Mai ist der Weltuntergang. Wir leben nicht mehr lang.“

Die Welt drehte sich auch nach Mitternacht weiter. Aber in erster Linie ging es an dem Abend eh darum, den Wirt des Zahm hochleben zu lassen: Jürgen Petry wurde 70. Wohl kaum jemand in der Saarbrücker Gastronomie so tiefe Spuren hinterlassen wie Jürgen Petry. Das St. J, der Club Number one, die Krumm Stubb in Dudweiler, das Café am Schloss, seit ein paar Jahren das Gasthaus Zahm - Jürgen Petry hat einiges geschafft, inklusive einer Insolvenz vor knapp 20 Jahren. Jürgen Petry hat nie aufgegeben. Er ist immer Wirt geblieben und nicht bloß ein Gastro-Manager. Er ist einer dieser Typen, von denen es immer weniger zu geben scheint.

Micha Weber ist auch so ein Typ. Der ist nun auch 70. Und auch er hat Saarbrücker Gastronomiegeschichte geschrieben. Nicht, weil er viele tolle Kneipen betrieben hat, sondern weil er die eine seit 1971 (erst als Mitarbeiter, dann bald als Chef) am Leben hält: die Brasserie in der Fröschengasse. Wobei es seinem Ruf nicht geschadet hat, dass er 1978 Frank Zappa aus der Brass geschmissen hat, weil der Musiker eine Frau auf uncharmante Art angemacht hat.

Während Jürgen Petry an seinem Geburtstag den Weltuntergang feiert, scheint die Welt sich in der Brasserie schon längst nicht mehr zu drehen. Dort scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

Jürgen Petry 2010 in der Krumm Stubb. Foto: Iris Maurer
Micha Weber verganges Jahr in der Brasserie. Foto: Maurer/Iris Maurer

Um die Brass herum dreht sie sich weiter. Und wenn wir Saarbrücker Glück haben, werden irgendwann anderere Wirte ihren 70. Geburtstag feiern und man wird sagen: Das sind echt starke Typen. Ist ja noch etwas Zeit, denn was den Weltuntergang am 30 Mai angeht, heißt es in dem Lied von 1954: „Doch keiner weiß, in welchem Jahr. Und das ist wunderbar. Wir sind vielleicht noch lange hier. Und darauf trinken wir!“