Zum Kreischen - wie im Krimi

Lieber Maulwurf als Holzbock, meint SZ-Redakteurin Michèle Hartmann.

Manchmal schalte ich den Fernseher an und gucke dann doch nicht. Jedenfalls war ich gerade in der Küche, als in einem Krimi eine Frau laut und lange schrie. "Oh, gebb dich!", rief ich verärgert und schaute dann doch mal nach, warum sie so brüllte. Sie hatte gerade eine Leiche entdeckt, und drittklassige Regisseure meinen eben, dass eine Frau dann kreischen muss.
Einen halbwegs erstickten Schrei ließ ich allerdings los, als ich vor einer kleinen Reise am Wochenende die alte Holztür zu Terrasse und Garten öffnete. Das gibt's doch nicht, flüsterte ich, als ich diese beiden hellen Häufchen just vor der Tür entdeckte. Das wird doch nicht der gewesen sein, der uns schon einmal heimsuchte? Und schon kamen mir die salbungsvollen Worte des Pastors in frühen Jugendjahren in den Sinn, als er alle Tiere der Welt als "Geschöpfe Gottes" pries. Der Holzbock ein Geschöpf Gottes? Dass ich nicht lache. Der frisst mir doch die Tür auf. Im Wirtshaus meinte ein Gast, als ich vom unheimlichen Holz-Fraß erzählte, dass ich nach meiner Reise wohl nur noch das Türschloss vorfinden werde. Lustig, lustig. Am Ende betrachtete mein Schwager die Häufchen und fand's komisch. Weil hier kein Holzbock, sondern ein Maulwurf gewütet hatte. Der brachte es fertig, den Sand zwischen schweren Bodenplatten nach oben zu drücken.

Ich hätte kreischen können - wie die Frau im Krimi.