Kolumne : Wurm im Paradies…

Die Kolumnen-Literatur kennt viele schlimme, furchterregende Geschichten. Aber kaum eine hinterlässt und so panisch beunruhigt wie dieser Gruß von Ruth Rousselange aus ihrer Zeckenhölle.

Kennen Sie dieses Gefühl, dass man für was Gutes büßen muss? Weil bald etwas auftauchen wird, das nicht ganz so gut ist. Vielleicht hat diese unbestimmte Ahnung mit Erziehung und Kirche zu tun, früheste Kindheit und so was, Sie wissen schon… Doch zurück: Alles scheint jetzt bestens, Frühsommerlaune, Licht, Luft, Schmetterlinge, Sonnenschein, blühende Wiesen. Schön, was? Wodurch wird es einem verleidet: Heuschnupfen. Wissen Sie, wie spaßig das ist, wenn man zum verdienten Ausruhen sanft in einer Hängematte schwingt und bei jedem Nieser beinahe hinauskatapultiert wird? Laufende Nase und juckende Augen, das ginge ja noch. Legt man halt genügend Taschentücher bereit, schließt die Augen und betrachtet die bunte Blumenwiesen mental. Man riecht sie ja immerhin, na ja, ein bisschen zumindest. Gäbe es nicht noch ein Übel im Sommer, dem sich selbst mit allerbestem Willen keine einzige gute Seite abgewinnen lässt: Zecken! Nicht nur sind sie wohl die unerträglich hässlichsten, widerlichsten Biester, die sich denken lassen und die leider, leider auch  existieren. Gefährlich sind sie zudem, übertragen Krankheiten und kommen massenhaft vor. Mir war nicht klar, wie viele von ihnen unbemerkt, ohne Zeitdruck und wahrscheinlich auch ohne sich zu langweilen auf einen arglosen Wirt warten. Apropos Blumenwiese, die sieht zwar hübsch aus, aber wie kann man da noch unvoreingenommen hindurchstreifen, wohl wissend, dass an jedem Grashalm eines dieser Minimonster hocken kann, das rein zufällig nichts Besseres zu tun hat, als sich fallen zu lassen, auf die Beinkleider zu plumpsen und zügig seinen Weg darunter zu finden. Wo es sich spornstreichs an die Arbeit macht und Beißwerkzeuge samt Kopf dort hinein versenkt, wo sie meines Erachtens nicht hingehören. So ist das mit penetranten Wesen, gerne möchte man ihrer Aufmerksamkeit entgehen, aber sie sind geschickt. Und manchmal sogar erst so unauffällig, dass wir nichts merken bis wir sie plötzlich am Hals haben und nur schwerlich wieder loswerden. Ungerecht ist das! Ich will mein Gartenparadies zurück, der Zeck soll weg! Ehrlich, ich bin für das Ganzheitliche! Aber nicht heute, wirklich, Ausnahmen muss es schon geben…