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So kann’s gehen
Wo die Zeitung das Internet schlägt

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Von der Nachbarin lernen wir: Plastikfasten war früher einfacher als heute. Und wie das wohl in Zukunft auf dem Stillen Örtchen aussehen wird? Von Susanne Brenner

Es lebe die gute Nachbarschaft. Da kann man sich nicht nur gegenseitig mit Eiern aushelfen. Man bekommt auch gute Ideen. Vor ein paar Tagen habe ich hier über das Plastikfasten an der Schule meiner Tochter geschrieben. Vor allem habe ich darüber geschrieben, dass es fast unmöglich ist, ohne Plastikverpackungen zu kaufen. Das fange ja schon beim Toilettenpapier an. Und ich habe mich in der Kolumne gefragt, wie unsere Großeltern das alles gemacht haben, so ganz ohne Plastikfolie. Hier kommt die Nachbarschaft ins Spiel. „Meine Eltern und auch ich noch hatten die Zeitung auf dem Häuschen“, erzählte mir meine Lieblingsnachbarin. Ja klar, das war auch bei meiner Oma noch so. Das hatte ich tatsächlich vergessen.


Die Zeitung war früher noch für viel  mehr gut – mal ganz abgesehen von ihrem eigentlichen Zweck.  Es wurde auf dem Markt der Fisch darin eingewickelt – heute bekommt man auch da meist Plastiktüten. Auch Salat wurde in die Nachrichten von gestern verpackt. Notfalls war die Zeitung sogar bei  Geburten hilfreich. Erinnern Sie sich an die Komödie „Was diese Frau so alles treibt“ mit Doris Day und Rock Hudson?  Da muss Rock Hudson in seiner  Rolle als Frauenarzt Dr. Gerald Boyer in einem Stau überraschend einem Kind auf die Welt helfen. Und er schickt den schwer nervösen Vater auf die Suche nach einer „ungelesenen Zeitung“. Seit diesem Film weiß ich, dass frisch gedruckte Zeitungen steril sind und in der Not sogar in der Medizin zum Einsatz kommen können. Nun bin ich ja naturgemäß sowieso ein großer Fan von gedruckten Zeitungen. Immerhin arbeite ich bei einer und bin auch und gerade in Zeiten von Internet-Infos überzeugt, dass Zeitungen enorm wichtig sind. Aber auch meine „Saarbrücker Zeitung“ gibt es ja längst schon online. Immer mehr Menschen lesen unsere Artikel nicht mehr auf Papier, sondern als E-Paper am Computer. Und wer weiß, womöglich wird es in ein paar Jahren Zeitungen überhaupt nicht mehr auf Papier, sondern  nur noch im Internet geben? Ich hoffe nicht. Mal abgesehen davon, dass ich gern Gedrucktes lese. Was sollen dann im Notfall die Leute auf dem stillen Örtchen machen? Sollte je das Papier ausgehen – Tablet und Smartphone erfüllen da einfach nicht den selben Zweck. . .