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Willi Graf
Wir sollten Willi Graf endlich ein Denkmal setzen

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Vor 100 Jahren wurde Willi Graf geboren. Am Dienstag kommt der Trierer Bischof um den Widerstandskämpfer zu würdigen. Die Stadt bewirbt eine ganze Veranstaltungsreihe. Was weiter fehlt ist ein Erinnerungsort mitten in der Stadt. Von Martin Rolshausen

Der Graue Orden – als mir vor einigen Jahren eine alte Dame zum ersten Mal von dieser Organisation erzählte, war ich überrascht. Erst recht, als sie mir versicherte, dass Saarbrücken eine ganz wichtige Stadt für diesen Orden war. Die alte Dame schwärmte von einem jungen Mann, einem der führenden Köpfe dieses Grauen Ordens, einem der sie und andere begeistern konnte, der junge Menschen mitnahm zum Gebet, zu Wanderungen, zu Gesprächen über die Bibel. Der Graue Orden war ein Bund der katholischen Jugend in finsterer Zeit, als die Nationalsozialisten katholische und andere Bünde verboten hatten, weil sie eine Gefahr in ihnen sahen. Der junge Mann war Willi Graf.



Das Erzbistum München hat diese Woche mitgeteilt, eine „Voruntersuchung“ zur Seligsprechung von Willi Graf einzuleiten. Die Seligsprechung ist, vereinfacht formuliert, die Vorstufe der Heiligsprechung. Dass das in dieser Woche bekanntgegeben wurde, hängt mit einem Tag in der kommenden Woche zusammen, dem 2. Januar. An diesem Tag vor 100 Jahren wurde Willi Graf in Euskirchen im Rheinland geboren. Mit vier Jahren kam er mit seiner Familie nach Saarbrücken. Er machte am Ludwigsgymnasium Abitur, war Messdiener in der Basilika.

Dass die Nachricht zum Seligsprechungsverfahren aus München kam, liegt daran, dass die Nazis Willi Graf dort am 12. Oktober 1943 im Gefängnis Stadelheim mit dem Fallbeil enthauptet haben, nachdem die Gestapo ihn monatelang gefoltert hatte, um Namen aus ihm herauszubekommen. Namen aus der Organisation, die bekannter wurde als der Graue Orden: die Widerstandsgruppe Weiße Rose.

Willi Graf wurde posthum zum Saarbrücker Ehrenbürger ernannt. Unweit seiner Grabes auf dem Alten Friedhof St. Johann wurde eine Straße nach ihm benannt, auch das Ufer unterhalb der Berliner Promenade trägt seinen Namen. Das Bistum Trier hat zwei seiner Saarbrücker Schulen nach Willi Graf benannt. Das ist gut. Aber ich glaube, dass es an der Zeit ist, diesem mutigen Mann ein großes Denkmal zu setzen an einem zentralen Ort in unserer, in seiner Stadt. Denn zum einen leben wir in Zeiten, in denen wir nicht genug denken können an die finstere, menschenverachtende Epoche, die einen Grauen Orden und eine Weiße Rose notwendig gemacht hat. Zum anderen werden die Alten, die uns noch von Willi erzählen können, immer weniger.