1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Kolumnen

Wer sagt, dass Kühe nicht fliegen können?

Wer sagt, dass Kühe nicht fliegen können?

Milch macht müde Männer munter. Ein genialer Marketingspruch. Milch bringt aber auch Menschen um den Schlaf. Manchen Milchbauern zum Beispiel.

Die bekuhte Luftfahrt ist kein Projekt, das die Amerikaner ernsthaft betrieben haben. Aber für einen Gedenktag in den USA hat es gereicht. Gerade erst, am 18. Februar, wurde er gefeiert, der "Tag der Kuh, die während eines Fluges gemolken wurde". Da war es 87 Jahre her, dass eine Kuh namens Elm Farm Ollie bei einer Luftfahrtausstellung in St. Louis in ein Flugzeug gestellt und während eines Fluges gemolken wurde - aus wissenschaftlichen Gründen, wie die einen berichten, als Marketingaktion, wie es in anderen Zeitungen hieß. Die Milch wurde noch während des Fluges in 24 Viertelliter-Milchtüten abgefüllt und per Fallschirm abgeworfen.

Verrückt? Mag sein. Aber nicht verrückter als das, was wir heute mit Milch machen. Wir karren Milch durch halb Europa von Bauern zu Molkereien und von dort zu Supermärkten. Und wir kaufen sie für 60 Cent und weniger im Supermarkt. Und wundern uns dann, wenn wir im Fernsehen Bilder von Kühen sehen, die in ihren engen Ställen gar nicht glücklich, sondern eher gestresst wirken. Oder uns wundern, dass Milchbauern am Randes ihrer Existenz schuften.

Dass Milch mehr wert ist, will die katholische Jugend an diesem Freitag in Saarbrücken erklären. In der Jugendkirche Elija (Ecke Halberg-/Hellwigstraße) eröffnet der Bund der katholischen Jugend (BDKJ) ab 16 Uhr seine bundesweite Misereor-Fastenaktion. "Dabei soll die Wertschätzung junger Menschen für dieses Lebensmittel gestärkt werden. Die Aktion ermutigt die Jugendlichen, sich respektvoll mit Milch auseinanderzusetzen", heißt es. Wobei es nicht nur um die Billig-Milch in Deutschland geht. In Afrika, erklärt Jugendpfarrer Christian Heinz, ist billiges Milchpulver aus Europa ein Problem, weil die Milchbauern vor Ort wegen der Billigware immer weniger Geld für ihre Milch bekommen.

Wer im Saarland beim Griff ins Milchregal nicht einfach das Billigste greifen will, dem bietet unter anderem die Bliesgau-Molkerei in Ommersheim ein Angebot, das einen fairen Preis für die Milchbauern mit kurzen Transportwegen der Milch verbindet. 2005 haben sich fünf Bio-Bauern aus dem Saarland und der Pfalz zusammengeschlossen, um Milch einen Wert zu geben. Sie lassen - in einem ganz anderen Sinn als die Luftfahrt-Pioniere in St. Louis - sozusagen die Kuh fliegen.

Kontakt zum Autor: Schreiben Sie eine E-Mail an m.rolshausen@sz-sb.dewww.bliesgaumolkerei.de

www.eli-ja.de