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Wenn Männer nicht mehr Brüder sind

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ARRAY(0x976dfc0) FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken für Fortgeschrittene. Martin Rolshausen

Kochen ist nicht Küssen - das könnte das Problem sein. "Sich küssen und sich streiten, das ist das Geheimnis des Glücks", schreibt der Franzose Frédérik Beigbeder in seinem gerade erschienenen neuen Roman "Oona & Salinger". Dass die Geschichte des Saarbrücker Clubs kochender Männer gerade recht unglücklich zu Ende ging, lag nicht an zu wenig Streit. Auch wenn Kochen ebenfalls viel mit Leidenschaft zu tun hat, konnte es das Küssen offenbar nicht ersetzen.

Der "CC Club kochender Männer Chuchi Saarbrücken" existiert nicht mehr. Das hat Gerhard Blumenröther, Landeskanzler der Kochbruderschaft und lange engagierter Koch im Saarbrücker Club, mitgeteilt.

Gegründet wurde der Verein 1962. Saarbrücker und Auswärtige, die gerne zum Feiern in die Stadt kommen, kennen den Club kochender Männer als Lieferanten von Dibbelabbes und Hoorischen beim Altstadtfest, beim Weihnachtsmarkt am Schloss und auf anderen Festen.

Traditionelle Gerichte zu bewahren, verstanden die Männer ebenso als ihre Mission wie die Pflege der Esskultur im Allgemeinen. Eine Mission bei der sich die Saarbrücker mit etwa 1000 anderen Männern der Bruderschaft, die bundesweit in gut 100 Clubs organisiert und Teil einer internationalen Vereinigung von Hobbyköchen ist, verbunden fühlen - inzwischen muss man schreiben: fühlten.

Denn weil es immer mehr darum gegangenen sei, "mit dem Kochen Gewinne zu erzielen", haben immer mehr Köche den Club verlassen, berichtet Gerhard Blumenröther - und seufzt: "Warten wir darauf, dass über kurz oder lang nochmals kochbegeisterte Männer sich zu einer neuen Chuchi Saarbrücken zusammenfinden, welche die Kunst des Kochens, die Wahrung guter Tischsitten und brüderliches Miteinander pflegen."

Vielleicht wird sein Flehen ja erhört. Zwölf Männer , darunter die ehemaligen Chuchi-Mitglieder Herwig Hauschild und Patrick Schillo haben eine neue Kochrunde gegründet, die Gastronomische Gesellschaft Sarre.

Womit ich wieder bei Beigbeder bin: Er erzählt in seinem neuen Buch nicht nur vom Krieg und der Liebe, von der bezaubernden Oona O'Neill, die der Schriftsteller J. D. Salinger gerne bekommen hätte, die dann aber Charlie Chaplin geheiratet hat. Er erzählt auch davon, wie nach Küssen und Streit und Glück aus einem schmerzhaften Ende etwas Faszinierendes entstanden ist. Mehr wird nicht verraten.