Wenn ein Weck noch nach Weck schmeckt

Wenn ein Weck noch nach Weck schmeckt

Wenn ich unterwegs bin und mir Menschen vorschwärmen, wie wohl sie sich gefühlt haben, als sie einmal in Saarbrücken waren, dann geht es meistens ums Essen.

Es war ein sonniger Tag in der Wallonie. Die Dame aus Aachen, die mir im Hof eines Museums gegenübersaß, vertilgte ein süßes Häppchen, spülte mit Kaffee nach, beschrieb das Ganze als "sehr lecker", und um zu zeigen, dass sie weiß, wovon sie redet, erklärte im selben Atemzug: In Saarbrücken gibt es einen, der macht noch bessere Sachen, Macarons zum Beispiel, zum Dahinschmelzen, Weltklasse, und zwar wirklich Weltklasse. Den Namen habe sie auf der Zunge, sagte sie, aber da war ja noch das Süßzeug - und vielleicht fiel er ihr deshalb nicht ein.

Ich versuchte zu helfen. Franck Kestener neben der Stadtbibliothek? Nein, einer mit einem Indianernamen. Quanah Schott in der Mainzer Straße also. Fassungslosigkeit, Bewunderung, Neid, Gier - all das bündelte sich in der Frage: "Ihr habt zwei solche Läden in Saarbrücken?!?"

Ja, haben wir. Es sind aber nicht nur diese beiden bekannten Genusskünstler, die diese Stadt lebenswert machen. Es sind auch Menschen wie Torsten Becker und seine Eltern Maria Luise und Franz-Josef Becker. Die drei haben gestern in Altenkessel gefeiert, dass es ihre Bäckerei seit 80 Jahren gibt. Während allerorten sogenannte Backshops eröffnen, betreiben die Beckers in der Alleestraße noch eine richtige Bäckerei. Das heißt für Torsten Becker: "Bei uns läuft alles traditionell, alles mit der Hand - wir sind eben ein Handwerksbetrieb." Die Konkurrenz durch Läden, deren Produkte in großen Hallen auf sogenannten Backstraßen hergestellt werden, ist groß. Dass die Bäckerei in Altenkessel auch in der vierten Generation betrieben werden kann, gehe nur mit "Fleiß, Herz und Liebe", sagt Torsten Becker. Und mit Kunden, die motivieren, indem sie sagen, "dass Weck noch nach Weck schmecken und nicht nach Luft". Das hat auch das "Feinschmecker"-Magazin bemerkt: Es hat die Bäckerei Becker gerade zu einer der besten fünf im Saarland gekürt - bereits zum zweiten Mal.

Zu den Kunden der Beckers gehört auch ein ganz Großer: Sternekoch Klaus Erfort. Den habe man schon beliefert, als er noch sein Restaurant in Völklingen hatte. Als er nach kurzer Wanderschaft sein Gästehaus in Saarbrücken eröffnet hat, habe er sich gleich wieder - wie einige Hotels und Gaststätten in Saarbrücken - aus Altenkessel beliefern lassen.

Auf die Beckers und all die anderen, die jeden Tag einen guten Job machen, hat mich unterwegs noch nie jemand angesprochen. Aber sie sind für unsere Stadt ebenso wichtig wie Quanah Schott und Franck Kestener.