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Wenn Eigentum nicht tabu ist

So kann's gehen. Immer öfter vermisst SZ-Redakteurin lieb gewonnene Modeaccessoires. Ihre Tochter findet das nicht schlimm. Angelika Fertsch

Ich traue meinen Augen nicht. Draußen im Garten spazieren meine Schuhe herum. Und zwar die liebsten schwarzen Treter, weil so schön ausgelatscht und bequem. Wer steckt drin und kümmert sich nicht um Matsch im Beet und Feuchtgebiet am Weiher, durchpflügt genießerisch die Erdbrocken? Hannah, die 14-Jährige. Überhaupt hat die Tochter, so scheint es, nicht die geringsten Skrupel, bei der Mutter Anleihen zu machen. Mein und Dein, eindeutige Regeln zu Besitz, scheinen bei ihr zu verwischen.
Gestern verzweifelte ich. Hatte doch gerade einen neuen Kajalstift gekauft, um einen hübschen Trauerrand um die Augen aufzumalen. Weg war er. Habe die Schminktasche auf den Kopf gestellt. Der Alzheimer hat dich jetzt in den Klauen, rufe ich mir im Spiegel zu, es ist so weit. Heute finde ich das Teil in ihrem Zimmer. Unschuldig liegt es auf der Fensterbank. Da habe ich doch Glück, dass sie meinen Klamottengeschmack nicht teilt. "Du ziehst Dich komisch an", sagt sie, flankiert vom Bruder. Danke, meine Hosen und Kleider gehören mir. Dafür nimmt sie Schals. Auch auf die Lederhandtasche in Braun-Schwarz vom italienischen Markt hat sie ein wohlwollendes Auge geworfen. Morgen kommt die Retourkutsche. Ich habe schon mal ihr türkisfarbenes Halstuch zur Seite gelegt, das ich in einer Boutique gekauft und ihr geschenkt hatte. Der passt sooo gut zu meinem Oberteil. Was sie wohl sagen wird?