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Wenn der Karriereknick mit der Namensgebung beginnt

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ARRAY(0x9d9df08) FOTO: Robby Lorenz
SO KANN’S GEHEN. Manche Namen klingen nach Körperverletzung, findet SZ-Redakteur . Fabian Bosse

Wenn meine Elterngeneration in der damaligen DDR der sozialistisch verordneten Gleichmacherei eins auswischen wollte, dann hat sie ihren Kindern französische Namen gegeben. Wenn schon keine Turteltauben unterm Eiffelturm, dann wenigstens Bälger im Vorgarten, die so klingen wie ein französischer Filmstar. Das war die Devise. Und so entstanden dann so wunderbare Namenskreationen wie Yvette Blasse, Nancy Müller, Monique Stottmeister oder René Szechnowitz.


In den Neunzigern hießen dann Kinder nach amerikanischen Idolen. Über Jahrzehnte ergossen sich so Hohn und Spott über Kevin, Justin und Angelina.

Die Uni Oldenburg hatte das veranlasst, eine Studie zu verfassen, in der sie herausfinden wollte, ob Bildungschancen was mit Namen zu tun haben. Befragt wurden 2000 Grundschullehrer. Das Ergebnis: Als freundlich, leistungsstärker und verhaltensunauffällig stellen sich Kinder mit Vornamen wie Charlotte, Sophie, Marie, Hannah, Alexander, Maximilian, Simon, Lukas oder Jakob im Bewusstsein von Lehrern dar. Chantal, Mandy, Angelina, Kevin, Justin oder Maurice wurden mit Leistungsschwäche und Verhaltensauffälligkeit assoziiert. Besonders Kevin bekam sein Fett weg. Wer den Namen Kevin hört, der stellt sich einen "verhaltensauffälligen" Schüler vor.

Kann man Eltern eigentlich für einen rufschädigenden Vornamen auf Schadensersatz verklagen, weil dadurch womöglich eine Top-Karriere verhindert wurde? Wenn ich auf Spielplätzen sitze, dann habe ich meine Zweifel, ob der Karriereknick eines Menschen nicht schon mit der Namensvergabe beginnt.

In Saarbrücken prüft die Stadt die Namensanträge von Eltern, bevor sie in die Geburtsurkunde gelangen: "Im Mittelpunkt bei der Auswahl des Vornamens eines Neugeborenen steht das Kindeswohl ", sagt Robert Mertes von der Stadtpressestelle auf meine Nachfrage. So gebe es Kriterien, die Eltern beachten sollten. So dürfe das Kind durch den Vornamen keine Nachteile erfahren. Auch müsse der Vorname dem Geschlecht des Kindes entsprechen. Nicht in Frage kommen Namen, die als Schimpfwörter oder mit anderen Dingen assoziiert werden könnten. Die Stadt habe auch schon Namen abgelehnt: "So hat unser Standesamt zum Beispiel bei Jungen die Vornamen ,Lamborghini ' und ,Rolls Royce' abgelehnt. Auch ,Jean Paul Belmondo' wurde als Vorname abgelehnt, das Kind erhielt dann den Vornamen ,Belmondo'. Besondere Vornamen, die unser Standesamt im vergangenen Jahr beurkundet hat, waren für Mädchen ,Europa' und ,Soledad', bei Jungen ,London', ,Meo', ,Timotei' und ,Sonny'", sagt Mertes.

Verdammt, Timotei? Wie die Bildungschancen von Kindern stehen, wenn sie wie ein Shampoo heißen, wird wohl erst die nächste Studie herausfinden müssen.