Wehe, wenn es quietscht

Vor wenigen Tagen ist mir ein Foto von Kindern ins Auge gefallen, die Blockflöte spielten. Das weckte Erinnerungen.

Die Blockflöte gehörte in meiner Kindheit gewissermaßen zum guten Ton. Sie war nicht wegzudenken aus der musikalischen Erziehung im Grundschulalter. Und eine harte Prüfung für die Eltern, wenn das Üben anstand. Wunderliche Töne kamen aus dem filigranen Instrument, schräg und schmerzhaft nicht nur für empfindliche Ohren. Die Erziehungsberechtigten haben die Folter stumm ertragen. Man kann den Kindern ja schlecht das Musizieren verbieten.

Mir selbst blieb die Pein erspart, der Nachwuchs wurde mit Flötenunterricht nicht konfrontiert. Allerdings meine mittlerweile erwachsene Nichte. Die kam mal nach Hause und war sehr empört, weil der Musiklehrer ihr gedroht hatte: ,,Wenn's quietscht, gibt's ne Sechs." Das Kind hat dennoch fleißig weiter geübt. Die Mutter fügte sich in ihr Schicksal - in der Hoffnung, dass die Beschallung eines Tages ein Ende nimmt. Und das Kind niemals drohen möge: "Geld her, oder ich spiele."