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Was wir alles an Kulturveranstaltungen vermissen werden

Was alles ausfällt : Vor der großen Stille: Was wir im November vermissen werden

Die Kulturschaffenden sind wieder die großen Leidtragenden der Corona-Maßnahmen. Am Montagabend war dazu eine gemeinsame Aktion zahlreicher Künstlerinnen und Künstler geplant. „Ohne uns wird’s still“ ist deren Slogan. Wir haben uns derweil mal angeschaut, was so alles in unserem Terminkalender stand für diesen Monat. Jetzt wissen wir, wie still der November wirklich wird.

Man hat sich noch nicht so richtig erholt von dem Schock. Schon wieder sind alle Theater, Konzertsäle und Museen geschlossen. Gerade erst war die Kultur vorsichtig wieder angelaufen. Mit Maske, Abstand, teils extra neu installierten Lüftungssystemen und allgegenwärtigen Hygienespendern gab es immerhin erste Theaterpremieren und Konzerte. Und jetzt ist alles wieder auf Null. Ein bisschen ungläubig schaut man da auf die Kulturtermine, die man für den November ankündigen wollte und kann es noch nicht richtig glauben.

Am Montagabend war bundesweit eine große Aktion „Ohne Kunst wird’s still“ geplant. Angestiftet unter anderem von den Münchner Philharmonikern und „Alarmstufe rot“, der Aktion der bedrohten Veranstaltungsbranche, arbeiteten Künstlerinnen und Künstlern im Internet 20 Minuten lang mit kreativen Mitteln zum Thema Stille. Veranschaulicht werden sollte die Stille, die überall eintreten wird, wenn der Kultur nicht durch diese Krise geholfen wird.

Was für eine Stille das sein würde, was wir alles vermissen werden, zeigt auch ein nicht repräsentativer  Blick in den Veranstaltungskalender für November. Wir werden zum Beispiel das Festival Loostik vermissen. Monatelang geplant war das deutsch-französische Kindertheater-Ereignis. Vom 10. bis 16. November sollte es stattfinden. Und jetzt: Stille statt Kindergelächter.

Vermissen werden wir die Konzerte der Jazz-Zeit, die im November in der Breite 63 stattfinden sollten. Oder die Figurentheater-Gastspiele für Erwachsene und Kinder vom Kleinen Theater im Rathaus. Die Spielstätte war extra wegen Corona ins größere Theater im Hirsch ausgewandert – und nun ist auch diese Bühne in St.  Arnual nicht mehr groß genug. Im SR-Gesellschaftsabend sollten am 21. November Jess Jochimsen, Reiner Kröhnert und Arnulf Rating gastieren. Live. Wenn wir Glück haben, melden sie und Gastgeber Alfonse sich wenigstens aus dem kabarettistischen Homeoffice.

Im Staatstheater ist ein gesamter Monatsspielplan hinfällig. Man sollte sich den Leporello vom November aufheben. Als Sammlerstück aus dem Corona-Herbst 2020.  Natürlich wird das SST versuchen, dass Produktionen wie „Eine kurze Chronik des künftigen China“, die mit Spannung erwartete europäische Erstaufführung des Schauspiels von Pat To Yan, später zu sehen sein werden. Auch das Weihnachtsmärchen „Donkey der Schotte und das Pferd, das sich Rosi nannte“, wird zwar nicht am 8. November Premiere feiern, aber doch hoffentlich irgendwann.

Ganz bitter ist aber, dass auch Primeurs ausfallen muss. Das Festival frankophoner Gegenwarts-Dramatik ist ein Solitär im Jahresprogramm des Staatstheaters, eine Fundgrube für Menschen mit Interesse an neuen Theaterstoffen und neuen Autorinnen und Autoren aus aller Welt. Vom 18. bis 21. November hätte Primeurs stattfinden sollen. So ein Festival kann man nicht einfach mal so eben nachholen. Es ist wohl unrettbar verloren und mit ihm womöglich der eine oder andere Theatertext, der nun kein Publikum findet.

Man kann die Reihe fast unendlich fortsetzen. Man wird zum Beispiel das Ini-Art-Konzert am 5. November vermissen. Sebastian Gramss‘ States of Play sollte da im Garelly-Haus auftreten. Es wäre das erste Konzert der Initiative für aktuelle Musik nach dem langen „coronalen Tiefschlaf“ gewesen, wie die Ini-Art in ihrer Ankündigung frohgemut schrieb. Jetzt müssen sie zwangsweise weiterschlafen.

Auch viele Kirchenkonzerte, erste Weihnachtskonzerte, Kammer- und Sinfoniekonzerte fallen aus, Pop-Konzerte, Kneipenkonzerte sowieso. Die „Brücke“-Ausstellung im Saarlandmuseum wird verschoben. Auch die Vernissage der Fotoausstellung „Pictures of Pop – Fotografie in der Popkultur“, die für den 7. November in der Breite 63 geplant war, wird nicht stattfinden, genauso wenig wie das Konzert mit Southern Caravan Breath‘ zur Vernissage.

Und auch das Festival „Freistil“, dieses erste große, gemeinsame Projekt der freien Szene hierzulande, kann nicht wie geplant vom 20. bis 29. November in der Erzhalle des Völklinger Kulturerbes stattfinden. So viele freie Gruppen hatten hierfür verschiedenste Produktionen entwickelt und geprobt, voller Energie. Endlich wieder Kultur machen können, endlich wieder ihren Beruf ausüben können. Jetzt sind sie ausgebremst mitten im Schwung. Wie wir alle.