Was tun gegen Alkoholsucht?

Zehn Millionen Deutsche trinken so viel Alkohol, dass sie über kurz oder lang damit ihrer Gesundheit schaden. Doch nicht nur die Gesundheit leidet, betroffen sind auch die Beziehungen zum Partner, zu Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen. Berater der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben Fragen von SZ-Lesern rund um das Thema Alkohol beantwortet.

Warum vertragen Frauen weniger Alkohol als Männer?

Der weibliche Körper enthält mehr Fett und weniger Flüssigkeit pro Kilo Gewicht als der männliche. Das sorgt dafür, dass eine Frau - selbst wenn sie gleich schwer wie ein Mann ist - nach der gleichen Menge Alkohol einen um 20 Prozent höheren Blutalkoholspiegel als der Mann hat.

Mein Sohn ist Anfang 30 und trinkt sehr, sehr viel. Ich komme nicht an ihn ran. Er lässt darüber nicht mit sich reden. Was kann ich tun?

Leider nicht sehr viel. Ihr Sohn ist ein erwachsener Mann und es ist seine Entscheidung, ob er sich betrinkt oder nicht. Solange Ihr Sohn nicht das Gefühl hat, dass der Alkohol ein Problem für ihn ist, solange wird sich nichts ändern. Erst wenn er das Problem erkennt und wenn er es lösen will, erst dann tun sich für ihn viele Möglichkeiten der Therapie auf.

Was kann denn groß passieren, wenn man täglich zwei, drei Gläser Alkohol trinkt?

Die Beschwerden können anfangs vage sein, zum Beispiel leichte Magenschmerzen, Müdigkeit oder Durchschlafschwierigkeiten. Mit der Zeit kann die Leber verfetten und sich entzünden, es kann zu ernsteren Magenbeschwerden kommen und langfristig kann beispielsweise eine Herz-, Hirn- oder Nervenschädigung auftreten. Lange anhaltendes, übermäßiges Trinken begünstigt das Entstehen von Krebs, zum Beispiel von Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs oder Brustkrebs. Außerdem ist die Gefahr groß, dass man in eine Sucht abrutscht.

Mein Vater ist an Darmkrebs gestorben. Er hat immer viel Alkohol getrunken. Könnte es da einen Zusammenhang geben?

Forscher haben festgestellt, dass auch das Darmkrebsrisiko durch Wein, Bier und Schnaps beeinflusst wird. Menschen, die viel Alkohol trinken, erkranken öfter an Darmkrebs als Menschen, die wenig bis gar nicht trinken. Ein Zusammenhang konnte bei dieser Krebsart aber nur oberhalb eines Grenzwertes nachgewiesen werden. Allerdings ist dieser Grenzwert sehr niedrig. Nur bei Mengen unter 12,5 Gramm Alkohol pro Tag - das ist etwa ein Glas Bier - fanden Wissenschaftler kein erhöhtes Risiko.

Ich will mich selbst testen und vier Wochen keinen Alkohol trinken. Ich denke, dass es abends schwer wird. Haben Sie einen Rat?

Lenken Sie sich ab, indem Sie eine Kleinigkeit erledigen oder sich etwas gönnen. Rufen Sie einen Freund an oder hören Sie zur Entspannung etwas Musik. Bei innerer Unruhe hilft auch oft ein Spaziergang an der frischen Luft oder eine kleine Radtour oder ein Besuch im Fitness-Studio. Hunger und Durst können auch das Verlangen nach Alkohol verstärken. Trinken Sie etwas Alkoholfreies und überlegen Sie, ob Sie Appetit auf einen kleinen Snack haben. Vielleicht haben Sie jetzt ja auch häufiger Lust auf etwas Süßes. Gönnen Sie sich ruhig die eine oder andere Süßigkeit. Sie sparen Kalorien ein, wenn Sie auf Alkohol verzichten.

Den Abend kann ich mir ohne Bier nicht vorstellen. Das brauche ich einfach. Andererseits weiß ich, dass ich weniger trinken sollte. Wie schaffe ich das?

Ignorieren Sie Gedanken wie: "Ich brauch' jetzt dringend ein Bier." Hören Sie einfach nicht hin. Sagen Sie sich stattdessen: "Jetzt fällt es mir gerade sehr schwer, nichts zu trinken. In fünf Minuten wird das allerdings schon wieder anders aussehen." Wenn es trotzdem nicht gelingt - scheuen Sie sich nicht, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Die Experten dort sind nicht nur für alkoholkranke Menschen da. Sie können auch bei einer Reduktion helfen.

Zum Thema:

Auf einen BlickAdressen von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen finden Sie im Telefonbuch oder im Internet, zum Beispiel unter www.bzga.de , Rubrik Service. Das Sucht-Beratungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist unter (02 21) 89 20 31 erreichbar. red