| 20:44 Uhr

Zoff um Schild am Spielplatz
Was soll die Aufregung?

Von Marco Reuther

Auf einem Spielplatz geht es auch laut zu – und das ist gut so. Aber wo ist das Problem an einer freundlich hervorgebrachten Bitte, auch Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen? Die Erwachsenen, die mit ihren Kindern den Spielplatz nutzen, tun dies für eine kurze Zeitspanne, sie sollten jedoch soviel Einfühlungsvermögen haben, um sich bewusst zu machen: Die Anwohner sind ständig dort. Es gibt Kinderrechte, und das ist sogar sehr gut so. Aber auch Erwachsene haben Rechte. Zudem brauche ich wohl niemandem zu erzählen, dass Lärm und Lärm nicht dasselbe ist, sprich: Wenn im – absolut nicht verwerflichen – kindlichen Übermut das Spiel in ein dauerhaftes Schreien übergeht, dann dürfen Eltern durchaus einschreiten.


Vorgestrige Erziehungs-Hardliner zitieren gerne aus der Bibel: „Wer sein Kind liebt, der züchtigt es“ – was so ziemlich der dümmste Satz ist, den ich je über Erziehung gehört habe. Unterschreiben könnte ich dagegen den Satz: „Wer sein Kind liebt, der erzieht es“ – auch zur Rücksichtnahme.

Und noch eine Anmerkung: Die Bitte um Rücksichtnahme hängt schon seit Wochen auf dem Walpershofer Spielplatz, und niemand hat sich aufgeregt – bis der erste Hinweis darauf im Internet erschienen ist. Dort findet man inzwischen bei Facebook & Co. so eine Art sich selbst erzeugende Aufregungs-Industrie zu immer neuen Themen, denn viele Menschen regen sich ja, gemütlich im Sessel sitzend, gerne auf und hauen Kommentare raus. Natürlich auch bei tatsächlich ernsten Sachen – aber auch dann, wenn’s bei genauer Betrachtung eigentlich um vollkommen Harmloses geht.