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Was Bahnfahrer im Zug nach Hamburg über Saarbrücken erfahren

Neulich im Zug nach Hamburg : Wir Saarbrücker sind ganz entspannt

Feiner Zug: Die Deutsche Bahn lässt Marketing-Experten von Saarbrücken schwärmen. Das entschädigt für jede Verspätung.

Unterwegs im Zug nach Hamburg. Die siebenstündige Fahrt in den Norden bietet genügend Zeit zum Plaudern und Lesen. Hinter Kassel haben wir genug geschwätzt. Wir schlagen das Bordmagazin der Deutschen Bahn auf und beginnen zu blättern in der Oktober-Ausgabe. Ein dickes Teil in der Mitte fällt uns auf. Auf 48 Seiten geht es darum, neue Wege durch ein vertrautes Land einzuschlagen, sprich: Deutschland neu zu entdecken. Alle 16 Bundesländer kommen vor, auch das Saarland, nach den 15 anderen Ländern, ganz am Ende.

Wie der gründliche Leser erfährt, ist die Beilage „Entdecke Deutschland“ eine Aktion der Landesmarketing-Organisationen der 16 Bundesländer. Über alle ist viel Gutes zu lesen, klar, ist ja auch Werbung in eigener Sache. Saarbrücken wird als „die entspannte Hauptstadt“ einer „Schönheit im Herzen Europas“ gepriesen, womit das Saarland gemeint ist. So gemütlich sei es hier, diesmal ist Saarbrücken gemeint, zwar Landeshauptstadt, jedoch „von Hektik keine Spur“. Stimmt, hier lässt man sich Zeit, zum Beispiel beim Bau eines Stadions. „Saarbrücken ist polyglott, gelebtes Europa und ein echter Geheimtipp“, heißt es weiter. Aber nun wissen es ja zumindest alle lesenden Bahnfahrer.

Die Lobeshymne über unsere ach so schöne Stadt macht uns ganz euphorisch. Da sehen wir doch glatt darüber hinweg, dass der Zug zwischen Mannheim und Hamburg eine halbe Stunde Verspätung eingefahren hat. Wir Saarbrücker sind halt ganz entspannt!