Warum Kolumnistin Ruth Rousselange Liebesfilme von der leichten Sorte mag

Kolumne So kann’s gehen : Was vom (Liebes-)Drama übrig bleibt

Mit Filmen ohne besondere Handlung kann man am besten entspannen, ist unsere Autorin Ruth Rousselange überzeugt. Außerdem machen sie glücklich.

Sie kennen die Geschichte. Sie ist nahezu immer die gleiche und geht so: Junge alleinstehende und ansehnliche Frau erbt Haus von reicher Verwandten, Tante, Oma et cetera, kehrt zurück in ihre Heimat und trifft auf Ex-Geliebten. Worauf verloschenes Interesse wie mit Spiritus befeuert neu entflammt und allerlei Verwicklungen auftauchen, bevor die beiden sich endlich in die Arme sinken dürfen. Hier eine Variante: Junge alleinstehende, überarbeitete und ansehnliche Frau braucht dringend Urlaub, trifft vor Traumkulisse Ex-Geliebten, … den Rest ahnen Sie. Im Modell sieht das so aus: A hat B, A trennt sich von B, A trifft B wieder, Probleme, Probleme, Probleme, A hat B, Schluss! Was bei diesem Konzept herauskommt, nennt man Wohlfühlfilm. Wieso Wohlfühlfilm? Weil der Zuschauer, beziehungsweise und vermutlich in erster Linie die Zuschauerin – wer das nun despektierlich findet, bitte sehr – genau weiß, was sie erwartet. Man kann sich entspannen, das Hirn herunterfahren, es wird nichts mehr von einem verlangt. Ergo, Feierabend, diese Filme machen glücklich! Niemand käme hier auf die Idee nach einer versteckten Botschaft oder einem pädagogischen Mehrwert zu suchen. Die Bilder sind so farbenfroh wie realitätsfern und zuckrig anzuschauen. Es scheint die Sonne, die Landschaft ist formschön, das geerbte Landgut geräumig und geputzt, die Locken der Protagonistin sitzen genauso perfekt wie die Frisur ihres angehimmelten, wilden Burschen, der in etwa so wild ist, wie ein gut im Futter stehendes Kaninchen. Stolpersteine, die Fieslinge dem Paar in den Weg werfen, sind gar keine, sondern bloß Stufen zur Glorifizierung frisch erwachter, wahrer Liebe und stets in ungefähr 90 Minuten überwunden. Das Krimi-Modell, sogenanntes Cosy Crime, geht ähnlich: A benimmt sich verstört (Variante: zu selbstsicher), A ist tot, B bis Y sind verdächtig, ohne triftigen Grund, B bis mindestens Q werden gleichfalls ermordet, der Täter ist Z, warum erschließt sich niemandem. Wahrscheinlich nicht mal A. A ist aber sowieso tot. Was für fluffige Gebilde Wohlfühl-Liebes-Kriminal-Filme doch sind! Irgendwie wie Eischnee. Effektvoll, aber schnell im Verfall, und am Ende wird’s klebrig…

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