Vorurteile als Stressfaktoren

Von einem Abend, an dem es ihr ein wenig mulmig wurde, berichtet SZ-Redakteurin Susanne Brenner.

Freunde hatten einen kleinen Unfall. Nichts allzu Schlimmes. Aber es war in der Nacht, und es war in Forbach, also in Frankreich. Unfallgegner, wie man so unschön sagt, war eine Gruppe junger Französisch sprechender Männer, erkennbar maghrebinischer Herkunft. Nun sprechen in Forbach ja noch viele Leute Deutsch, aber die Einwandererkinder natürlich nicht.
Sie redeten also aufgeregtes Französisch. Unsere Freunde haben ihren Sprachschwerpunkt eher im Englischen. Ich stand ein bisschen am Rand und beobachtete nur. Und fühlte mich zunehmend unwohl. Denn es kamen nach und nach immer mehr junge Männer an. Autos hielten, gruppenweise stiegen starke junge Kerle aus. Irgendwann standen locker 20 Jungs um uns herum. Bei mir stieg der Stress-pegel. Wenn die nun handgreiflich würden? Wir waren ja hoffnungslos in der Unterzahl. Allerlei Bilder von Straßenkrawallen aus den Nachrichten spukten durch mein Hirn.

Bis mein perfekt Französisch sprechender Mann anfing, mit den jungen Männern zu reden. Und natürlich im Handumdrehen feststellte, dass da nicht etwa eine Verschwörung im Gange war. Die Jungs kamen schlicht vom Fußballtraining. Und weil alle denselben Weg hatten, hielten die Kicker natürlich an, als sie sahen, dass einer von ihnen Probleme hatte.

Auch in Frankreich sind große Jungs neugierig. Und nachdem mal jemand mit ihnen geredet hatte, waren sie auch richtig nett und freundlich.