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Saarbrücken für Fortgeschrittene
Von singenden und Sattel tragenden Ponys

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Kleine Mädchen lieben Pferde mit Walle-Mähne und Schleifchen. Mit der Realität hat das nichts zu tun. Es empfiehlt sich ein Besuch im Wildpark.

Man nehme viel Rosa, mixe es mit ähnlich aufdringlichen, zuckersüßen Farben, gieße die Masse in Ponyform mit Walle-Mähne, statte das Ganze mit Glupschaugen, Glitzer und Schleifchen aus und schon hat man das ultimative Rezept, Kinder, und da speziell die weiblichen, glücklich zu machen. So heißt es jedenfalls. Was bloß finden Mädchen an diesen Spielfigur- und Zeichentrick-Ponys, die mannigfach über die Bildschirme galoppieren? Um nicht zu sagen fliegen, denn das können ein paar von diesen Wunderponys auch. Der völlig auf die Einhornspitze getriebene Niedlichkeitsfaktor ist es wohl, der arglose Kinder wehr- und Erwachsene ratlos macht. Schaut einen so ein Tier mit Zöpfchen im Ponyhaar und Strasssteinchen auf dem Fell an, reagiert man wie vor der Schlange Kaa aus dem „Dschungelbuch“: Man ist komplett gebannt. Und glaubt danach vielleicht wirklich, Ponys wären neben supersüß, extrem mutig, würden in einer Herde zusammen für das Gute kämpfen und Liedchen trällernd die Welt retten. Auch Fury wollte ja die Welt retten, aber der war ein imposantes Pferd und kein rosa Winzling. Und Einzelkämpfer, wie Superman. Ein stolzes Ross braucht eben nur sich selbst, seinen Mut und seine Hufe. Doch zurück zu den kleinen Pferden, man darf ruhig ein Herz für rosa Ponys mit Blumengirlanden haben, doch sollten Eltern die Auswirkungen dieses betörenden Fantasiegebildes relativieren und mit ihren Kindern möglichst oft den Saarbrücker Wildpark besuchen. Wie das Wort „wild“ andeutet, leben dort Tiere, die sich nicht einfach Blumenketten umhängen lassen. Probiert man die Rundwege aus, begegnen einem sicher irgendwann Rehe, Hirsche, Wildschweine, Ziegen, Mufflons, und hat man Glück, gar eine Wildkatze. Und keine Sorge, im Wildpark gibt es auch ein paar Ponys. Kinder dürfen sie zu bestimmten Terminen reiten. Doch Obacht: Ein echtes Pony duftet nicht unbedingt nach Rosen, auch wird man die Wildpark-Ponys selten mit lila Mähne oder singend antreffen. Und sollte sich unvermutet ein Horn an deren Ponystirn befinden, ist es höchstwahrscheinlich angeklebt…