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Von Schnitzeltagen und schlanken Hausfassaden

Unsere Woche. "Lasst uns heute Mittag zu Woolworth gehen": Mindestens einmal pro Woche war das die Parole der Völklinger SZ-Redaktion. Die männlichen Kollegen gingen besonders gern am Donnerstag. Da war im Restaurant des Kaufhauses nämlich Schnitzeltag. Doris Döpke

Er hatte was, der "Goldene Topf" (so hieß das Lokal wirklich!). Solide Hausmannskost zu kleinem Preis, das war das eine. Die Inneneinrichtung war das andere: Oft haben wir gejuxt, man müsse sie unter Denkmalschutz stellen. Denn so rein hatte sich der Stil der 1960er Jahre nirgendwo anders erhalten.



Lang' ist's her. Das Restaurant wurde erst renoviert, dann geschlossen. Und der Bau selbst - keine Schönheit, aber mit einer Fassade, die von gestalterischem Ehrgeiz zeugte - steht nun als ungeschlachter Klotz da, der das Straßenbild erdrückt.

Wie gute Architekten solche Effekte vermeiden, kann man nebenan sehen. Saarstahl-Kasino und Röchlingbank haben gewiss eine ebenso große Kubatur. Aber die Front des Zwillingsbaus ist sorgsam gegliedert, mit senkrechten Mauerbändern und mit Fenstern in gleichmäßigem Rhythmus, die dem großen Bau optisch die Schwere nehmen. Nichts davon an der Fassade des Woolworth-Baus - die wirkt nur billig. Genau darum ging es bei der Sanierung wohl auch.

Einmal mehr hat Völklingen Pech. Beim einstigen City-Center-Vorhaben ist die Stadt an Heuschrecken geraten, an Finanzinvestoren, die nur Gewinn- und keine Projekt-Interessen haben. Das Woolworth-Gebäude, dominierend in der Rathausstraße, gehört nun einer Immobilienfirma mit speziellem Geschäftsmodell: günstig einkaufen, profitabel vermieten. Ästhetik? Stadtbild? Nebensache.

Dabei hätte schon eine simple Überlegung genügt: Fülligen Menschen wird bei der Kleidung von Querstreifen abgeraten - die machen nämlich nicht schlank.